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Über
meine Malerei
Mit fünfzehn Jahren – in Berlin – wollte
ich Ölbilder malen, aber mein Vater meinte, ich sollte
erst zeichnen lernen. Als meine Eltern vereist waren, kaufte
ich mir bei Wertheim Ölfarben und malte unser Haus,
den Garten und den Grunewaldsee. Von da an bestimmte die
Malerei mein Leben – und ich male immer noch mit Ölfarben.
Mich fasziniert in der Malerei die Möglichkeit, ganz
subjektive Dinge – Erfahrungen, Ordnungen, Risiken – zu
objektivieren. Ich genieße es, in einen Arbeitsprozess
eingebunden zu sein, der mich festhält, der mich führt
und den ich manchmal führe. Ich habe das Gefühl,
daß das Malen für mich eine lebenslange, konstante,
oft schwierige und mich manchmal beglückende Partnerschaft
ist.
Die Farben sind für mich das Wichtigste. Sie haben Körper,
und sie haben Raum. Das Volumen der Farben wird immer von
der Farbe selbst bestimmt.
Meine Themen kommen aus der Arbeit. Sei sind nicht vorher
ausgedacht, sondern bieten sich an, wenn ich konzentriert
arbeite und Glück habe. Glück das ist wichtig.
Meine Themen, die mich jeweils drei bis vier Jahre festhielten,
hießen: Wald/Wachsen – Kreise/Wirbel – Strömungen – Flechtungen – Lichter – Bergbilder/Nachtbilder
und nun Berge und Rosen.
In Ihnen belebt und füllt sich die Großflächigkeit
und Ruhe meiner vorherigen Bergbilder mit präzisen Formen,
die wie ein transparentes Netz die Berge irritiert.
Das hat damit begonnen, daß ich mich über einen
Rosenstrauß gefreut hatte und spontan begann, Rosen
in den Himmel eines Bergbildes zu malen. Das tat dem Bild
gut, und nun formierten sich lasierend gemalte Blüten
zu Rheien, blähten sich auf zu hellen, duftigen Riesenblüten
oder verschrumpelten, zu fast schwarzem verwelkten Geranke.
Ich
male schnell, brauche aber oft Tage
für geringe Verbesserungen. Ich
male über die ganze Fläche
und lege Schicht um Schicht lose aufeinander,
wobei jede Schicht die vorherige ins
Wanken bringt und so lange im Griff
behält, bis sich aus diesem Dialog
allmählich das Bild zurechtschiebt.
Durch diese Verschiebung wird die Dichte
des Bildes erkämpft.
Fast bei jedem Bild gibt es den Punkt, wo ich das ganze Bild
noch einmal neu zusammenreißen muß. Das ist wie
eine Feuerprobe, und ich muß lange den Mut dazu sammeln,
denn ich kenne das Risiko. Danach ist das Bild da, oder es
ist kaputt.
Bei Malvorgang sind meine Erfahrungen, meine von mir erarbeiteten
Ordnungssysteme – alles, was ich über Malerei
zu wissen glaubte – nicht präsent, aber doch im
Unterbewusstsein – wie ich hoffe- wirksam. Ich befinde
mich auf einem unbekannten Feld, ich steuere ein Ziel, ein
Thema an. Der Arbeitsvorgang lebt von der Substanz des Augenblickes,
aber auch von der Geduld abzuwarten, wie sich das Gefühl
für die Farbe in mir entwickelt. Ich meine keineswegs
eine expressive Aufwallung, nichts Schwärmerisches,
sondern ein von Grund her kommendes, sich ausbreitendes ,
erwärmendes Farbwissen. Es ist, als ob mich dieses Wissen
ganz durchlaufen müsse, bis es sich der Hand mitteilt.
Manchmal mache ich Experimente: Ganz neue Themen – auch
auf anderem Material: Holz, eloxiertem Metall usw.. Es entstehen
Serien von Arbeiten, die ich dann wegstelle und vergesse.
Nach Jahren stoße ich durch Zufall auf sie, finde dann
Dinge vorgeformt, an denen ich nun gerade arbeite. Das empfinde
ich als eine wirklichen Trost. Es kommt mir vor, als gebe
es da eine Reihe von Arbeitssträngen, die sich entfalten,
auseinanderlaufen, wieder zusammengeführt werden zu
einem stabilen Geflecht. Die Erkenntnis, daß alles,
was ich arbeite, innerhalb dieses breitangelegten Feldes
geschieht, daß alles seine Notwendigkeit hat, daß auch
Arbeiten, die ich selber zur Zeit nicht einordnen kann, nach
längerer Zeit ihren Funktionswert erhalten, ist tröstlich.
Jemand,
der – wie ich – seit Jahrzehnten
malt, ist heute in einer vertrackten
Situation. Die Maltraditionen, in denen
ich groß geworden bin und denen
ich mich verhaftet fühle – die
ich jedenfalls weder abschütteln
kann, noch will -, empfand ich zunächst
als Beflügelung – in wachsenden
Maße aber auch als Belastung.
Das Voranschreiten wurde zusehends
schwerer. Jeder Schritt nach vorne
ist immer auch eine Auseinandersetzung
mit dem Gewesenen und das Bemühen,
Elemente mit hineinzunehmen in das
Neue. Hinzu kommt die Aktualität
ringsum. Auch hier müssen die
Wesentlichkeiten herausgefunden werden,
die für einen selbst in Frage
kommen. So kein soziales Engagement,
und ich will niemanden auf etwas hinweisen,
will keine Missstände aufzeigen.
Ich will die Farben so setzten, daß sie
ein Bild ergeben, daß sie funktionieren
wie ein lebendiges Gefüge, das
so organisiert ist, daß es stimmt.
Sigrid
Kopfermann
1923 in Berlin
geboren, Vater Architekt,
Mutter Anna Lilienthal, Tochter des Flugpioniers
Otto Lilienthal
1941 bis 1945 Studium an der Hochschule für
Kunst in Berlin bei den Professoren Willy Jaeckel
und Bernhard Dörries
1945 Heirat mit dem Maler Egon Neubauer
1950 Geburt des Sohnes Reinhard
Seit 1946 zahlreiche Ausstellungsbeteiligung,
Einzelausstellungen sowie Kunst am Bau und
Kirchenfenster
1965 Heirat mit Dr. Otto Fuhrmann
Seit 1950 Mitglied im Deutschen Künstlerbund,
Westdeutschen Künstlerbund, Darmstädter
Sezession, der Neuen Gruppe München und im
Verein Düsseldorfer Künstler
Seit 1959 zahlreiche Kunstpreise
Bilder in öffentlichen Sammlungen, Museen,
Ministerien, Verwaltungen, Schulen.
Sigrid Kopfermann lebt und arbeitet in Düsseldorf.
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| Fotos
von der Ausstellungseröffnung
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