Kunst |
|
Projekte |
|
cubus-Kids |
|
|
Kontakt |
|
|
|
 |
|
|
Ausstellung |
Ausstellung |
 |
Kurt
Sandweg
Retrospektive
|
...
und plötzlich fehlte
der Humus ...
Dr. Claudia Schaefer
cubus kunsthalle, duisburg
Auszug aus dem Katalogbuch zur Ausstellung
Was von langer Hand vorbereitet
und einmal von der Politik
beschlossen wurde, wenn damals
auch bereits als Fehlentscheidung
erkannt, wird trotzdem umgesetzt.
Die Schließung des
Fachbereichs Musik- und Kunsterziehung
der ehemaligen Gerhard-Mercator-Universität
Duisburg im Jahr 1993 ist
dafür nicht nur Beispiel,
sondern Beweis. Der Kampf
der Professoren, unter Ihnen
Kurt Sandweg, Lehrbeauftragen
und Studenten konnte daran
nichts ändern, allein
den Abschuss etwas mildern,
indem der Fachbereich infolge
in ein Zentrum für Musik
und Kunst überführt
wurde. Am sogenannten ZMK
konnte kein Abschluss mehr
erworben werden, es stellte
lediglich ein zusätzliches
Angebot für die Studenten
der Universität dar
und auch das schlagende Argument,
damit Kosten einzusparen,
ging nicht auf. Die Kosten
konnten durch das Zentrum
nicht wesentlich gesenkt
werden. Seit fünf Jahren
existiert das ZMK auch nicht
mehr doch durch die Zusammenlegung
der Universitäten Duisburg
und Essen gibt es wieder
einen Fachbereich Kunstpädagogik,
jedoch nicht mehr in Duisburg,
sondern in Essen.
Als Kunsthalle, die eng mit Künstlern und
Professoren des damaligen Fachbereichs zusammenarbeitete,
spürte die cubus kunsthalle die Auswirkungen,
die die Schließung für die Stadt und
die in ihr lebenden Bürger hatte, aus nächster
Nähe.
Damals befand sich die Kunsthalle nicht nur in örtlicher,
sondern auch in geistiger Nähe zur Universität.
Dies, weil ich die Kontakte aus meiner - wenn
auch kurzen - Studentenzeit und späteren
wissenschaftlichen Mitarbeiterschaft im Fachbereich
Kunstpädagogik rekrutierte. Die Kunsthalle
lebte damals von dem vitalen Austausch zwischen
den Studenten und der Universität entwachsenen
Künstlern gleichwohl den dort tätigen
Professoren und Dozenten. Sie bot die Möglichkeit
einer innerstädtischen Plattform, die den
universitären Arm in das Stadtzentrum verlängerte
und Begegnungen mit kunstinteressierten Bürgern
ermöglichte. Ich erinnere mich noch gut
an die zahlreichen Colloquien, die Prof. Hans
Brög in Kooperation mit der Kunsthalle veranstaltete
und die als Ergänzung zum Unistoff eine
beliebte Veranstaltungsreihe für Studierende
darstellte. Viele Studenten erprobten in der
Kunsthalle erste Ausstellungspräsentationen
und sammelten so Erfahrungen mit dem Ausstellungsbetrieb.
Natürlich war dies nur ein begleitendes
Nebenprodukt, denn erster Anspruch der Universität
war – das sollte nicht vergessen werden – die
Ausbildung von Lehrern, nicht von Künstlern.
Kunstpädagogik hieß der Fachbereich,
nicht Freie Kunst – und es handelte sich
eben nicht um eine Kunstakademie. Der Geist jedoch,
der durch den Fachbereich fegte, war teilweise
beseelt von dem Wunsch und Willen freikünstlerisch
tätig zu werden. Ja, und dieser Geist prägte
auch damals unsere Stadt. Er formte letztendlich
auch die Duisburger Künstlerschaft und Kunstszene.
So verwundert es auch nicht, dass nicht wenige
der damaligen Lehramtsanwärter den Weg in
die freie Kunst gesucht und gefunden haben. Kurt
Sandweg hat durch sein engagiertes Vermitteln
künstlerischer Techniken in den Bereichen
Bildhauerei, Plastik und Zeichnen intensiv dazu
beigetragen und ich kann aus eigener Erfahrung
sagen, dass seine Seminare etwas von der akademischen
Ausbildung, der sogenannten „Meisterklassen“ innehatten.
|
 |
|
| Aber es war auch insbesondere
Kurt Sandweg, der sich mit seinen Studenten
immer wieder Gedanken über die
Urbanität unserer Stadt machte
und Seminare zum Thema Stadtgestaltung
anbot. Gerade dieses sich Einmischen,
Anstöße geben, den kritischen
Geist hoch haltend, fehlt heute. Die
Schließung des Fachbereiches
hinterließ eine Lücke, die
bis heute nicht geschlossen werden
konnte. Plötzlich fehlte der Humus,
von dem sich Kreativität nun einmal
nährt. Eine Einbuße, die
auch die Kunsthalle zu spüren
bekam. Lebendige Kunstszenen können
nur in Kohabitation mit einer Kunstakademie,
-Hochschule oder Universität mit
entsprechenden Fachbereichen existieren.
Da, wo diese Bildungsstätten funktionieren,
da etablieren sich, da blühen
kulturelle und künstlerische Landschaften.
Künstler beeinflussen das Bild
ihres Umfeldes, sie tragen zur Kreativität
in einer Stadt bei, sie bilden wiederum
die Bürger, indem sie Reize bieten
und wenn dies alles vorhanden ist,
dann lassen sich auch Galerien nieder.
Es entstehen Ateliers, es kommen Kunstkritiker
und man spricht von einer lebendigen
Kunstszene. Dies alles, war ansatzweise
vorhanden, brach aber mit der Schließung
des Fachbereiches ab. Dies geschah
in einer Zeit, in der die Stadt Duisburg
nichts notwendiger benötigt hätte
als Kreativität und neue Ideen.
Denn die Stadt befand inmitten eines
Strukturwandels, der längst überfällig
war. Wer weiß, wie sich unsere
Stadt entwickelt hätte, wenn man
den Fachbereich erhalten und die dort
wirkenden geistigen Kräfte aktiv
in diesen Strukturwandel eingebunden
hätte. Nicht zuletzt ist auch
die cubus kunsthalle, wie sie sich
heute darstellt, als eine der positiven
Auswirkungen, eben dieser geistigen
universitären Prägung zu
werten. Als nicht städtische Einrichtung
in dem Gebäude des ehemaligen
Niederrheinischen Museums steht sie
für das Konzept des privat-public-partnership,
das durch engagierte kulturinteressierte
Bürger mittlerweile über
zehn Jahre getragen wird. Auch vor
diesem Hintergrund freue ich mich besonders
mit dieser Ausstellung und dem vorliegenden
Katalogbuch einen Künstler und „Professor“ zu
würdigen, der durch seinen unermüdlichen
Einsatz zum geistigen Klima der Stadt
und zur kritischen Auseinandersetzung
ihrer Bürger beigetragen hat.
Nachdem Kurt Sandweg seit 1976 immer
wieder Teile seiner umfangreichen Sammlungen
im ehemaligen Niederrheinischen Museum
zeigte, ist es mir eine besondere Freude,
mit dieser Ausstellung erstmals sein
künstlerisches Werk in diesem
Hause zu präsentieren. |
| |
| |
|
|
|
|
|
|
|
Intern |
|
|
Sponsoren |
|
|
|