Multispecies futures: Hartmut Kiewert & Roger Löcherbach ab 25.09.21 – 28.11.21 I Eintritt frei

Ausstellungseröffnung: 25.09.2021 ab 19 Uhr – Eintritt frei –

Mit der Ausstellung multispecies futures setzt die cubus kunsthalle, duisburg Ihre Themenreihe Kunst im Anthropozän fort. Mit Anthropozän wird seit einiger Zeit unser jüngst angebrochenes Zeitalter definiert. Der durch die Geologie eingeführte Begriff bezieht sich auf eine neue Epoche der Weltgeschichte, der mit den zahlreichen durch Menschen hervorgerufenen Auswirkungen auf das Weltgeschehen notwendig geworden ist. Keine Entwicklung hat unsere Erde so eingehend transformiert, wie die menschliche. Die Renaturierung von Kohlehalden, um die es im ersten Ausstellungsprojekt ReNatur 31.7.-5.9.2021 ging, also der Renaturierung von Hinterlassenschaften unserer Industrialisierung, ist dabei nur ein kleines Element in Anbetracht von weiteren naturvernichtenden profit- und genussorientierten Entwicklungen und diverser menschlichen Fortschrittsgedanken. Auswirkungen der jüngsten Menschheitsentwicklung seit der Industrialisierung sind z.B. die Übersäuerung der Ozeane sowie das Artensterben, die Artenwanderung, die Verdrängung natürlicher Vegetation durch landwirtschaftliche Monokulturen, die Industrialisierung der Fleischproduktion, die Kohlendioxidkonzentration, um nur einige zu nennen. Auch die Ausbreitung von Krankheitserregern wird als Beispiel für die Transformation des Planeten durch den Menschen im Anthropozän angeführt. Sie wird gefördert durch zivilisationsbedingte Übertragungswege – eine leichtere Übertragung und auf den Menschen (Zoonose) infolge menschenbedingter Veränderungen von Ökosystemen sowie eine beschleunigte globale Ausbreitung durch Langstreckenflugreisen. Von einer dramatischen Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die aktuelle COVID-19-Pandemie.

Warum beziehen wir uns darauf? Vom kunstwissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, sehen wir durch die über 250 im Hause der cubus kunsthalle veranstalteten Ausstellungen, rückblickend auf über 30 Jahre, dass sich künstlerische Inhalte mehr und mehr wandeln. Künstler beziehen sich zunehmend auf die Themen Umwelt und Natur, sind fokussierter, stringenter und konzentrierter in der Entwicklung künstlerischer Perspektiven auf die aktuellen Probleme unseres Planeten. Dies mag vermutlich eng mit den zunehmenden Kenntnissen und Auswirkungen über die Zusammenhänge im Anthropozän und dem Bewusstsein der Künstler darüber zusammenhängen.

Die aktuelle Ausstellung in dieser Reihe zeigt unter dem Titel multispecies futures Arbeiten von Hartmut Kiewert und Roger Löcherbach, die sich Fragen zur Beziehung zwischen Mensch und Tier als besonderes Thema der Zukunft stellen. Die massive Ausbeutung von Natur und Tieren stellt zunehmend auch das Überleben von uns Menschen in Frage, wie die jüngsten Flut- und Brandkatastrophen weltweit zeigen. Um die schlimmsten Folgen der Klimakrise zu verhindern, ist eine Abkehr vom Anthropozentrismus und der mit ihm einhergehenden radikalen Naturbeherrschung nötig. Wir stehen nicht über der Natur, sondern sind ein Teil und abhängig von ihr. Wie wir uns innerhalb alles Lebendigen neu verorten und einen behutsamen und respektvollen Umgang mit unserer Mitwelt und unseren Mitlebewesen finden könnten, lotet die Ausstellung Multispecies Futures mit Malereien von Hartmut Kiwert und Skulpturen von Roger Löcherbach aus. Multispecies Futures lädt ein, über die Verbundenheit alles Lebendigen nachzudenken und sich auf den Weg zu machen in eine Zukunft in der alle Spezies Berücksichtigung finden und in der wir ihnen auf Augenhöhe begegnen.

Hartmut Kiewert, geboren 1980 in Koblenz, interessiert sich für eine gleichberechtigte Koexistenz von Tier und Mensch. Seine Malerei zeigt eine entgrenzte Welt. Grenzen zwischen den herrschaftlich geordneten Lebensräumen von Tier und Mensch gibt es nicht mehr. Die Tiere bevölkern in utopisch unbeschwerter Weise den vom Menschen geschaffenen Zivilisationsraum. Die Buntheit der zivilisatorischen Begleitphänomene der dargestellten Menschen übertönt dezent die Naturfarbigkeit der Mitgeschöpfe – auf den zweiten Blick werden die befreiten Tiere erst deutlich. Die so selbstverständlich inszenierten Begegnungen der Bilder müssen beim Betrachten erst zusammenfinden. Hartmut Kiewert findet nach dem Studium an der Kunsthochschule Halle (Burg Giebichenstein) und an der TU in Berlin eine ganz persönliche, respektvolle Perspektive auf das Zusammenleben von Tier und Mensch, jenseits von marktwirtschaftlichen Bewertungsmaximen, die er in gekonnter Weise veranschaulicht.

Roger Löcherbach, 1963 geboren in Kirchen im Westerwald arbeitet als Bildhauer. Ihn interessieren aktuelle Themen der menschlichen Co-Existenz mit Tieren. In den letzten Jahren spielen dabei Themen des Tagesgeschehens, und dem Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt eine besondere Rolle.  Dabei thematisiert er immer wieder auch Tiere und Tiergruppen. Figurengruppen wie die drei Virologen oder Greta Thunberg umgeben von einer Gruppe Hühnern, und Rabenvögel sowie Wölfe reflektieren unseren Umgang mit Tieren der Massenhaltung und den sich wieder ansiedelnden Wildtieren. Roger Löcherbach bearbeitet unterschiedliche Holzstämme zunächst mit der Kettensäge und dann händisch. Der rustikale Eindruck, der mittels seiner rudimentären Technik entsteht, räumt der Materialität des Holzes einen großen Stellenwert innerhalb seiner künstlerischen Bearbeitung ein. Die oft als Außenarbeit konzipierten Stämme werden nach ihrer künstlerischen Bearbeitung wieder der Natur zugeführt und infolge der Witterung ihrer Auflösung und Auslöschung preisgegeben. Sie beinhalten von Anfang an ihre Vergänglichkeit und ihren Zerfall und dienen nicht selten in ihrem Auflösungsprozess zahlreichen Insekten und Wildbienen als Heim-, Brut und Schlüpfstätte. Löcherbach studiert Kunst und Latein an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz und an der Kunstakademie in Münster. Er macht sein Examen im Fach Bildhauerei bei Prof. Ansgar Nierhoff an der Universität Mainz. Seit 1998 arbeitet er freischaffend als Bildhauer in Essen und Duisburg.

 

Universum der Meere: Ralf Köppen ab 11.9.21 – 19.09.2021 I Eintritt frei

Ausstellungseröffnung: 10.09.2021 um 18 Uhr 

Universum der Meere

 Ralf Köppen

 

Mit der Ausstellung Universum der Meere setzt die cubus kunsthalle, duisburg Ihre Themenreihe Kunst im Anthropozän fort. Mit Anthropozän wird seit einiger Zeit unser jüngst angebrochenes Zeitalter definiert. Der durch die Geologie eingeführte Begriff bezieht sich auf eine neue Epoche der Weltgeschichte, der mit den zahlreichen durch Menschen hervorgerufenen Auswirkungen auf das Weltgeschehen notwendig geworden ist. Keine Entwicklung hat unsere Erde so eingehend transformiert, wie die menschliche. Auswirkungen der jüngsten Menschheitsentwicklung seit der Industrialisierung sind z.B. die Übersäuerung der Ozeane sowie das Artensterben, die Artenwanderung, die Verdrängung natürlicher Vegetation durch landwirtschaftliche Monokulturen, die Industrialisierung der Fleischproduktion, die Kohlendioxidkonzentration, um nur einige zu nennen. Auch die Ausbreitung von Krankheitserregern wird als Beispiel für die Transformation des Planeten durch den Menschen im Anthropozän angeführt. Sie wird gefördert durch zivilisationsbedingte Übertragungswege – eine leichtere Übertragung und auf den Menschen (Zoonose) infolge menschenbedingter Veränderungen von Ökosystemen sowie eine beschleunigte globale Ausbreitung durch Langstreckenflugreisen. Von einer dramatischen Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die aktuelle COVID-19-Pandemie.

In jüngster Zeit ist zu beobachten, dass die Umwelt gerade bei den Künstlern eine immer wichtigere thematische Rolle spielt. Manche Kunsthistoriker sprechen schon von einer Umweltkunst, um dieser Entwicklung einen Namen zu geben.  Künstler beziehen sich zunehmend auf die Themen Umwelt und Natur, sind fokussierter, stringenter und konzentrierter in der Entwicklung künstlerischer Perspektiven auf die aktuellen Probleme unseres Planeten. Dies mag vermutlich eng mit den zunehmenden Kenntnissen und Auswirkungen über die Zusammenhänge im Anthropozän und dem Bewusstsein der Künstler darüber zusammenhängen.

Mit dieser Intermezzo Ausstellung Universum der Meere geben wir dem Künstler Ralf Köppen in einem nach außen durch Schaufenster zum Kantpark geöffneten Raum, Gelegenheit seine Lichtobjekte vorzustellen, die im Rahmen eines Stipendiumprogramms des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW entstanden sind.

 

Ralf Köppen arbeitet seit 2010 schwerpunktmäßig mit mediterranem Strandgut. Grundlage hierfür ist ein mehrjähriger Aufenthalt auf Mallorca/Spanien.

Das Universum der Meere vereint eine Vielzahl von unterschiedlichen Muscheln und Schneckenhäusern sowie weiteren Naturelementen. Sie in dieser Form zu Lichtplastiken zu gestalten und im Licht erstrahlen zu lassen, verleiht dem Künstler ein Alleinstellungsmerkmal in der Kunstwelt.

Seine Werke, bestehen aus unzähligen von ihm selbst gesammelten Muscheln der zahlreichen Strände Mallorcas. Strandgut, das wir alle kennen und das uns alle schon einmal in die Versuchung gebracht hat, es einzusammeln. Zumindest als wir Kinder waren. Das Sammeln, mit dem die Kultur der menschlichen Entwicklung einher geht, ist hier Grundlage der Werke. Jede Muschel ist in ihrer Form und Farbigkeit anders und zeigt die enorme Vielfalt und Differenziertheit der Natur, wie sie in den Ozeanen und Meeren zu finden ist. Dies impliziert neben dieser natürlichen Prächtigkeit und Formenvielfalt jedoch auch die Fragilität unseres Ökosystems. Übersäuerung und Verschmutzung der Meere durch Giftstoffe, Mikroplastik und sonstige Abfälle zeigen die Verantwortungslosigkeit des Menschen im Anthropozän und drohen dieses Universum aus dem Gleichgewicht zu bringen und zu zerstören. Dass damit gleichzeitig auch die Existenz des Menschen auf dem Spiel steht, zeigt die Paradoxie, in der wir gerade leben. Diese klaren Botschaften sind den Arbeiten, neben ihrer ästhetischen Präsenz, gleichsam zu entnehmen.

Arbeiten wie, Gier, die zwischen 2011 und 2014 in Palma entstanden, verdeutlichen die politisch und sozialkritische künstlerische Aussage. Die Arbeit zeigt einen Globus deren Wasserflächen von Krabbenscheren bedeckt ist, die sich wie Krebsgeschwüre, über unsere Welt erstreckt.

Köppen stellt die Schönheit und Vielfalt der Natur in den Vordergrund seiner Objekte und verbindet sie mit moderner Lichttechnik. Durch das direkte Anstrahlen und gleichsam die Durchdringung der Lichtstrahlen der Muschelgehäuse entsteht ein faszinierendes Lichtspiel aus Reflexionen und Beleuchtung, das durch unterschiedliches Farblicht zu einem beeindruckenden, mitreißenden und atemberaubenden Erlebnis wird.

 

Ralf Köppen betreut seine Ausstellung und Lichtinszenierungen selbst vor Ort und steht interessierten Besuchern während der Ausstellungsdauer di-so von 14-20h für Fragen und Gespräche zur Verfügung.

 

„ReNatur. Kunst im Anthropozän“ I 31. 7. – 5. 9. 21 I fr-so 14 – 18 h I Eintritt frei

Hugo Boguslawski • Matthias Brock • Werner Constroffer • Joachim Ickrath • Min Clara Kim • André Mailänder • Jörg Mathias Munz • Roman Redzimski • Lars Reiffers • Elizabeth Weckes

 

 

Mit Anthropozän wird seit einiger Zeit unser jüngst angebrochenes Zeitalter definiert. Der durch die Geologie eingeführte Begriff bezieht sich auf eine neue Epoche der Weltgeschichte, der mit den zahlreichen durch Menschen hervorgerufenen Auswirkungen auf das Weltgeschehen notwendig geworden ist. Keine Entwicklung hat unsere Erde so eingehend transformiert, wie die menschliche. Die Renaturierung von Kohlehalden, um die es in diesem ambitionierten Ausstellungsprojekt ReNatur geht, also der Renaturierung von Hinterlassenschaften unserer Industrialisierung, ist dabei nur ein kleines Element in Anbetracht von weiteren naturvernichtenden profit- und genussorientierten Entwicklungen und diverser menschlichen Fortschrittsgedanken. Auswirkungen der jüngsten Menschheitsentwicklung seit der Industrialisierung sind z.B. die Übersäuerung der Ozeane sowie das Artensterben, die Artenwanderung, die Verdrängung natürlicher Vegetation durch landwirtschaftliche Monokulturen, die Industrialisierung der Fleischproduktion, die Kohlendioxidkonzentration, um nur einige zu nennen. Auch die Ausbreitung von Krankheitserregern wird als Beispiel für die Transformation des Planeten durch den Menschen im Anthropozän angeführt. Sie wird gefördert durch zivilisationsbedingte Übertragungswege – eine leichtere Übertragung und auf den Menschen (Zoonose) infolge menschenbedingter Veränderungen von Ökosystemen sowie eine beschleunigte globale Ausbreitung durch Langstreckenflugreisen. Von einer dramatischen Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die aktuelle COVID-19-Pandemie.

Vom kunstwissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, sehen wir durch die über 250 im Hause der cubus kunsthalle veranstalteten Ausstellungen, rückblickend auf über 30 Jahre, dass sich künstlerische Inhalte mehr und mehr wandeln. Die Arbeiten beziehen sich zunehmend auf die Themen Umwelt und Natur, sind fokussierter, stringenter und konzentrierter in ihrer Entwicklung künstlerischer Perspektiven auf die aktuellen Probleme unseres Planeten.

Mittlerweile unterscheidet man bereits zwischen vor- und postindustrieller Kunst, und interessanter Weise ist eine aktuelle Konzentration auf ‚der Natur hingewandte‘ Themen bei vielen Künstlern auf der ganzen Welt festzustellen. Dies mag vermutlich eng mit den zunehmenden Kenntnissen und Auswirkungen über die Zusammenhänge im Anthropozän und dem Bewusstsein der Künstler darüber zusammenhängen.

Dies wirft eine weitere Frage auf: Ist es an der Zeit, die Kunstentwicklung unter dem besonderen Gesichtspunkt des anthropozänen Zeitalters zu untersuchen? Gibt es eine anthropozäne Kunstausrichtung? Gibt es im 21. Jh. eine Annäherung der beiden sich lange Zeit diametral gegenüberstehenden Polen ‚Natur‘ auf der einen und ‚Kultur‘ auf der anderen Seite? Wird die Kultur zunehmend Teil der Natur, oder vielmehr umgekehrt?

Vor diesem Hintergrund sieht die cubus kunsthalle, duisburg in dem Ausstellungsprojekt ReNatur eine wichtige Auseinandersetzung generell mit dem Thema und konkret mit der ruhrgebiets- wie saarland-typischen Auseinandersetzung mit Renaturierungsprojekten und künstlerischen Haldengestaltungen.

Zwei Saarländer – der langjährige Galerist und Kurator Werner Redzimski sowie der Maler Jörg Mathias Munz – sind Initiatoren und Ideengeber des ReNatur-Projektes. Ihrem Kontakt zu Jörg Sämann aus dem Saarbrücker Kultusministerium ist es zu verdanken, dass das Konzept der RAG-Stiftung vorgestellt und letztlich verwirklicht werden konnte. Redzimskis und Munz‘ Grundvorstellung einer gleichsam ästhetischen Verknüpfung der Bergbau-Regionen Saarland und Ruhrgebiet spiegelt sich in der Auswahl der Künstler: Fünf Saarländer und fünf Künstler aus NRW beschäftigen sich jeder individuell und in verschiedenen Medien mit dem Thema. Das Spektrum der ausgestellten Werke reicht von Formen der abstrakt-strukturellen Malerei über verschiedene figurative Tendenzen bis hin zu Film und Fotografie.

Die Wanderausstellung wird am 31.07.2021 in der cubus kunsthalle, duisburg eröffnet.

Wir danken im Namen aller beteiligten Künstler der RAG-Stiftung, dem Ministerium für Bildung und Kultur – Saarland, der Saarland-Sporttoto GmbH, der URSAPHARM – Arzneimittel GmbH, Dr. Theis – Naturwaren sowie den ERGO Versicherungen GmbH für die großzügige Unterstützung des gesamten Projekts und der Ausstellung in unserem Hause.

Dr. Claudia Schaefer

cubus kunsthalle, duisburg

 

Lars Reiffers, „miner lamp“, 2020 Öl/Leinw. 140×160 cm: 

 

Werner Constroffer: o.T., Acryl auf Papier, 70 x 100 cm:

 

Joachim Ickrath: ohne Titel, Acryl auf Leinwand, 60 x 60 cm:

 

André Mailänder: Motiv3 aus der Serie -Neue Landschaft-, 2016-2020,
Chromogenic print, Diasec Face, 150 x 203 cm:

André Mailänder für Projekt ReNatur

 

Jörg Munz: Halde 8, 2020, Öl auf Leinwand, 150 x 120 cm:

 

 

Roman Redzimski: Sceenshot des Filmprojektes „ReNatur“:

 

weitere Infos hier: https://renatur.art

Matthias Brock, “Mondnacht”, 2021
Min Clara Kim, „Shiva, öffne Deine Augen“, 2020, Öl auf Nessel auf Holz, Installation ca. 110 x 290 cm
Elisabeth Weckes, “State of Transformation”, 2020-21, 160 x 290 cm
Hugo Boguslawski, „Restlicht (Halde) III“, 2013, 140 × 100 cm

 

 

 

 

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Heinz-Josef Klaßen . Heimatorte. 12 Farbfotografien der frühen 1970er Jahre können ab sofort bestellt werden.

Udo Dziersk. ab 27.3.2020 – 31.10.2020 Die Ausstellung kann aktuell nur an den Wochenenden mit Voranmeldung besucht werden. Anmeldungen bitte per Email an: schaefer@cubus-kunsthalle.de.

Udo Dziersk

Liebe Freunde der cubus kunsthalle,
ein sehr interessantes Gespräch, das Frank M. Fischer mit dem Leiter des Orientierungsbereichs der Kunstakademie Düsseldorf, Prof. Udo Dzierzk, auf der #cubusLiveBühne in seiner gerade laufenden Ausstellung in der cubus kunsthalle, duisburg geführt hat, das wir Ihnen nicht vorenthalten möchten.

https://www.facebook.com/1st4you.de/videos/3360220093999533/

Coronabedingt wurde die Ausstellung mit einem Streaming eröffnet und hat seit dem 28.3.2020, bisher nur virtuelle, leider jedoch noch keinen richtigen Besucher aus Fleisch und Blut verbuchen können. Virtuelle Rundgänge sind schön, aber kein wirklicher Ersatz für den sinnlichen Kunstgenuß.
Wir freuen uns daher, dass die Ausstellung ab Samstag, dem 30.5. zunächst nur an den Wochenenden mit Voranmeldung der Interessierten, besucht werden kann.
Anmeldungen bitte an schaefer@cubus-kunsthalle.de. Wir koordinieren dann die Zahl der Besucher, sodass keine Warteschlagen vor der Ausstellung entstehen werden.
Die von uns bestätigte Anmeldung bringen Sie bitte zu ihrem Besuch mit, sie gilt, versehen mit Ihren Kontaktdaten, gleichermaßen als geforderter Pandemie-Kontaktmeldebogen.

Der Eintritt ist frei, wir freuen uns über Ihren Besuch.

Link zur Ausstellungseröffnung: 

https://www.facebook.com/groups/artists.network/permalink/10159548653513242?sfns=mo

Die Bildwelten des malerischen und zeichnerischen Schaffens von Udo Dziersk entführen den Betrachter in komplexe Bedeutungszusammenhänge, nehmen uns mit in facettenreiche Gedankenspiele. Inspiriert wird der Künstler vom Leben selbst, was ihm allerorts auf seiner „Durchreise“ mit all seinen Möglichkeiten zum Gestalten herausfordert. Die Auseinandersetzung mit Literatur und Kunstgeschichte – aber auch scheinbar banale Begebenheiten – bereichern gleichermaßen sein Werk. Seine Bilder sind detailreich, figurativ und überlassen selten etwas dem Zufall. Der Künstler transformiert, löst Elemente aus ihrem Kontext, vereint Unvereinbares miteinander und bietet mit seiner Kunst neue Horizonte der Betrachtung.

Der Ausstellungsbesucher wird nicht allein von der Kraft einzelner Bilder in den Bann gezogen, sondern gleichsam vom spannenden Dialog: Frühwerk und aktuelle Arbeiten geben sich ein Stelldichein – die Komplexität von heute ist im Gestern schon angelegt. Dziersk selbst betrachtet das Leben als eine Ansammlung von Versatzstücken. Diese Sichtweise äußert sich in „kollageartigen“ Momenten in seiner Kunst.

Seit 2002 ist er Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf und hat seit 2017 zudem eine Gastprofessur in X´ian/China. Udo Dziersk lebt und arbeitet in Wuppertal-Barmen.

Gedanken rund um die Kunst von Udo Dziersk
Versuch einer Annäherung

Dr. Claudia Schaefer / cubus kunsthalle, duisburg

Unsere Zeit hat nicht nur zur Jahrtausendwende den Übergang vom industriellen in das postindustrielle Zeitalter markiert, sie ist heute an einer weiteren Schwelle angekommen: einer Überflussgesellschaft, gekennzeichnet von einem ökonomischen Wahnsinn und der ethischen Missachtung gegenüber Mensch, Tier und Natur. Das Projekt des gläsernen Menschen, der totalen Überwachung und die technologische Wegrationalisierung des Menschen durch die Künstliche Intelligenz sind bereits auf Kurs gebracht und dabei, alles ein weiteres Mal zu revolutionieren. Wenn wir nicht aufpassen, wird auch die Freiheit der Kunst kurzerhand betroffen werden! Eine totale Bilder- und Informationsflut umgibt uns seit geraumer Zeit und nun, in Anbetracht des daraus erfolgten Verlustes von Maß und jeglichem Skrupel – auch angesichts eines drohenden Klimawandels – beginnt sich in den postindustriellen Gesellschaften einerseits eine vereinfachte grenzwertige radikal Weltsicht zu popularisieren, andererseits reüssiert aber auch eine Besinnung, eine Suche nach neuen Maßstäben und Werten. Ist Konsum, Wirtschaftswachstum alles? Kann er auch den inneren Hunger stillen? Angesichts dieser Fragen, sei am Rande auch folgende erlaubt: Brauchen wir eine neue Ethik? Eine Ethik, die dieser – trotz bestehender großer Unterschiede – viel zu rasant wirtschaftlich eng zusammengewachsene Welt, Einhalt gebietet? Und wenn ja, wie können wir sie verankern, ohne die individuelle Freiheit zu opfern? Fragen provozieren Antworten. Wobei diese sich immer nur annähern, das komplexe und in sich widersprüchliche, paradoxale Ganze nur ahnen, niemals erfassen können. Wir können uns nur schrittweise und fragmentarisch an das annähern, was wir abstrakt mit Ethik verbinden.

Um sich dem komplexen Werk Udo Dziersk anzunähern, bedarf es zu einem kurzen Diskurs auszuholen. Schon früh wurden die Entwicklungen, die mit seinem umfangreichen Schaffen in diesem Zusammenhang stehen, beschrieben und beleuchtet. Paolo Bianchi, Ausstellungsmacher und Publizist, stellte vor einiger Zeit Positionen verschiedener Philosophen vor, die unsere Gesellschaft betreffen und aus denen heraus sich unterschiedliche künstlerische Systeme ableiten lassen. Darunter die Stellungnahme des französischen Philosophen Jean Baudrillard, der den Zustand unserer Gesellschaft als „Übergang vom Wachstum zur Auswucherung“ beschreibt. Der nicht mehr zum Wohle der Menschheit betriebene Fortschritt, eine Massenproduktion, die mit immer mehr Überflussartikeln aufwartet, und die Bilder- und Informationsflut unseres Kommunikationssystems sind Zeichen dieser Auswucherung. Sogar unsere Städte, die sich mit hypertrophen, sich in jede Richtung ausweitenden Zellgeweben vergleichen lassen und jene faszinierende Fettleibigkeit, auf die man nicht nur in den USA stößt, spiegeln diese Ausuferung wider.1
Die Kunst, Spiegel unserer Gesellschaft, ist ein facettenreiches, sich nicht selten widersprechendes Wesen mit vielen Gesichtern. Neopop-Künstler scheinen diese metastatische Form der Steigerung noch übertreffen zu wollen. Baudrillard plädiert regelrecht für diese Strategie, die gewissermaßen als eine „kritische“ zu bezeichnen ist. „Wir werden die Obszönität mit ihren eigenen Waffen bekämpfen … Wir werden nicht das Schöne dem Häßlichen gegenüberstellen, sondern etwas Häßlicheres als das Häßliche suchen: das Monströse.“2 Auch empfiehlt er, aus dem Kunstwerk eine absolute Ware zu machen, damit die Kunst letztendlich verschwände in der Ware, im Konsum und in der wuchernden Massenproduktion.
Bianchi kennzeichnet unsere Zeit mit dem Begriff der Postmoderne: „Postmoderne? Die einen mögen das Wort, andere hassen es. Tatsache ist, dass es für keinen klaren Sachverhalt steht: keine prinzipiellen Regeln existieren mehr, kein Kriterium des Urteils, keines der Lust (denn es muss eine Spielregel existieren, damit man Lust empfinde, und je strenger die Regel, desto intensiver die Lust). Heutzutage gibt es auf dem Gebiet der Ästhetik keinen Gott mehr, der die seinen erkennt. Während in der Avantgarde die Frage lauten konnte, ‚ist das noch Kunst‘, ist in der Postmoderne alles erlaubt. Es herrscht eine große Unübersichtlichkeit, ein totales Tohowabohu. Die postmoderne Unendlichkeit bietet ‚alles in allem‘ (Peter K. Wehrli) und ‚alles und noch viel mehr‘ (G.J. Lischka). Markt, Museen, Sammler und der moderne Kunstvermittlungsapparat halten trotz Baudrillard an einer zwar nirgendwo schriftlich fixierten, aber dennoch unumstößlich scheinenden Spielregel fest. Gesucht werden nur die besten, teuersten Künstler, die großen Meister, die großen Asse, kurz, große Meisterwerke. Künstlerscharen konkurrieren miteinander wie Wirtschaftsbetriebe. Die Wirtschaft macht es ihnen ja täglich vor: größere Verkaufszahlen, steigende Gewinne, das Überrunden der Konkurrenten. Macht, Besitz und Aggressivität prägen nicht nur das wirtschaftliche, sondern mittlerweile auch das gesellschaftliche und nicht zuletzt das kulturelle Leben. Eine Künstlergesellschaft rücksichtsloser Aufsteiger ohne moralische und ethische Bindungen, deren kulturelle Identität sich durch die verfügbaren Statussymbole definieren lässt, scheint da heraufzudämmern. Ohne sich die Frage nach der inneren und äußeren Notwendigkeit seines Werkes zu stellen, hat des Künstlers Engagement für die Kunst einem erschreckenden Egoismus Platz gemacht. Karriere und Geld nehmen jetzt die Stelle ein.“3
Als dritter Kritiker sei Niklas Luhmann erwähnt. Er sieht unsere Gesellschaft als ein System mit „Antriebsstärke ohne Bremsen“. Im Gegensatz zu Baudrillard, der den Weg in die Selbstzerstörung propagiert, fordert Luhmann eine Form der „Selbstlimitierung“. Eine Selbsteinschränkung und -beherrschung, die in Richtung Ethik läuft, wenn man ihr gewisse allgemeingültige Wertmaßstäbe zuerkennt.

Wenn es sich gleichwohl bei den gesellschaftlichen Entwicklungen als auch bei den künstlerischen Systemen um moralische Fragen handelt, wie Baudrillard, Bianchi und Luhmann feststellen, so fallen Antworten darauf in den Bereich der Ethik. Kunst ist Ethik in dem Moment, in dem wir Ethik als übergeordnetes System, als Verantwortung und Verständigung definieren. Die Moral ist die auf eine bestimmte Lebenssituation angewandte Ethik. Sie besteht aus festen Regeln, während die Ethik über der Moral steht. Sie trifft das Innere des Menschen, sie liefert den abstrakten, noch nicht rationalisierten Inhalt für das, was wir als gut und als schlecht, als schön und als hässlich, als wahr und als falsch empfinden. In kaum einem anderen Bereich außerhalb der Kunst lassen sich Themen behandeln, deren Antworten jenseits unserer wissenschaftlichen Rationalität liegen. Für den Künstler gilt es nicht, dem Wirtschaftssystem nachzueifern, sondern dem etwas entgegenzusetzen, zum Nachdenken anzuregen, den Menschen als sensuelles, kreatives Wesen zu verstehen und ihn nicht etwa nach seiner Kaufkraft zu beurteilen. Kunst nur als Ware zu sehen, missachtet ihren geistigen Anspruch, es sei denn, der Künstler persifliert, überspitzt und nimmt dadurch eine kritische Haltung, bis hin zum beißenden Sarkasmus ein. Doch auch diese Haltung kann als eine ethische definiert werden. Beinhaltet sie doch ein Sich-aufbäumen, ein Revoltieren und Schockieren.
Vielleicht kündigt sich nun nach Jahren des Aufbaus, der Überwucherung ein Moment der Besinnung an, ein Innehalten, ein Suchen nach neuen oder alten Werten und Maßstäben, die jedoch keiner beim Namen nennen kann oder will. Dass diese aus der inneren und übergeordneten Ethik kommen, ist meines Erachtens zweifelsfrei. Aber der Ethik wieder einen Wert zu geben, ohne der Lächerlichkeit der Kunstkritiker anheimzufallen, ist nicht leicht. Sie in ihrer Abstraktheit zu definieren ist schier unmöglich. Alte Wertvorstellungen ins Heute zu übertragen, kommt einem Eskapismus gleich, einer Flucht in eine Scheinwelt, die der heutigen gesellschaftlichen Situation nicht mehr gerecht werden kann.
Was hat Ethik heute generell zu leisten? Soll sie Normen aufstellen, Regeln für ein friedliches Zusammenleben? Doch wer weiß schon, ob Frieden überhaupt erwünscht ist. Das meiste Geld lässt sich doch durch Kriege und Inflationen verdienen. Soll sie die Menschen in ihrer Entscheidungsfreiheit festigen, obwohl wir wissen, dass gerade die verängstigten, unsicheren Menschen viel einfacher zu manipulieren und zu regieren sind? Soll sie menschliches Leben erhalten, wo doch die Bevölkerungsexplosion eines der unlösbaren Probleme unserer Zeit ist? Ist denn Ethik überhaupt gefragt? Jeder setzt sie voraus, niemand wagt sie zu definieren und keiner hält sich an die Regeln, wenn der eigene Vorteil darunter leidet. Und wer kann es sich heute eigentlich noch leisten, von ihr zu sprechen, ohne nicht auch an ihr gemessen zu werden?
In einer heute mehr und mehr paradoxer gewordenen Realität, individuelle Entscheidungen zu treffen und Positionen zu finden, erscheint schier unmöglich! Wir können die Welt nicht mehr nur mittels dualistischer Polaritäten erfassen. Sie stellt sich vielmehr als ein weitaus komplexeres System von Theorien, Thesen, Antithesen und Meinungen dar, die allesamt, je nach Interpretation und Fachgebiet, zugleich richtig und falsch, wahr und unwahr sein können. Zum Beispiel kann das, was wirtschaftlich durchaus richtig ist, ökologisch völlig falsch sein etc… Im Dschungel der Interpretationen und Wertungen muss ein jeder seine persönliche Position finden, will er nicht im blindtauben Konsum resignieren. Aus den bewusst erlebten Paradoxien entspringt Kreativität – der resignierende Fatalismus endet im platten Konsum.

Udo Dziersk . Ein Maler zwischen Abstraktion & Einfühlung.
In dieser Zeit der kompletten Umbrüche arbeitet Udo Dziersk. Er begegnet ständig, nicht nur als Chinareisender und sowohl in Peking als auch an der Düsseldorfer Kunstakademie lehrender Künstlerprofessor, diesen oben beschriebenen Paradoxien unserer Zeit. Gerade das heutige China bietet „alles zur gleichen Zeit“. Tiefe Traditionen und höchste technische Modernität, Freiheitsdrang und Überwachung, freie Marktwirtschaft und Planwirtschaft, simultan im Hier und Jetzt. Wie Pilze schießen Künstler aus dem chinesischen Boden und erobern zur Zeit den Kunstmarkt. Es gibt ganze Künstlerquartiere und Wirkungsstätten, die auf die massenhafte Ausbildung moderner Kunstinhalte ausgerichtet sind und die sich sehr von der tradierten Akademieausbildung hierzulande abgrenzen. Bezeichnend für Dziersks Technik ist das Collagieren einzelner Elemente zu einem Ganzen. Bereits 1989 lerne ich Arbeiten des Künstlers durch ein Kalenderprojekt eines Förderers der cubus kunsthalle kennen und konstatiere heute in der Rückbetrachtung, dass er bereits damals zu seinen ihm eigenen Stil, gefunden hat. Mehrere Ebenen im Bild entstehen neben einander, vergleichend mit der Objet touvé collage. Seine Bilder schildern Geschichten, erzählen von Handlungen, Ereignissen, Zitaten, Gesehenem, Gehörtem, Erlebtem, sind Bildcollagen. Keine Collagen althergebracht aus einzelnen zerschnittenen und wieder zusammengesetzten Bilddrucken der Surrealisten. Nein, bei ihm handelt es sich nicht um geklebte (coller frz. kleben) Einzelbilder, die zu einem neuen Ganzen finden. Udo Dziersk malt seine Szenen -aus vielen im Vorfeld zu einem Bild entstandenen Skizzen- auf die Leinwand. In ihrer Gesamtheit wachsen sie zusammen, werden zu einem Bild, manchmal gar zu einem Ganzen, trotz ihrer Verschiedenheit, ihrer Brüche. Udo Dziersk arbeitet im Hier und Jetzt. Er verarbeitet Ge- und Erlebtes, er arbeitet in Serien, manchmal an über 10 Bildern gleichzeitig zu einem facettenreichen Thema. Immer in Öl auf Leinwand oder im Medium der Zeichnung, der Skizze. Udo Dziersk konstruiert seine Bilder wohl überlegt. Viele Einzelskizzen sind notwendig, die nach reifer Überlegung Eingang in sein Leinwandbild finden. Es ist dann der Dialog der Farben und Formen, der den Fortgang bestimmt. Seine Bilder schildern unterschiedliche Geschichten, manche haben einen Anfang, ein Ende, manche nicht. Ines aber ist allen gleich, sie spielen sich ab zwischen den Polen, die Wilhelm Worringer einst mit Abstraktion und Einfühlung beschrieben hat. In seiner 1907 veröffentlichten Theorie stellt sich Worringer folgende Frage, die eine ganze Künstlergeneration beeinflussen sollte und die, der abstrakten Kunst und dem Expressionismus ein theoretisches Fundament bot. Unsere Beziehungen, seien es Beziehungen zu Menschen, zu Dingen oder zur Kunst, werden allzu oft durch Gefühle der Sympathie und Antipathie definiert. Aus Sympathie wird schnell Antipathie, wenn sich individuelle Bedürfnisse durch die Person, das Objekt oder das Kunstwerk nicht mehr befriedigen lassen. Beides, Sympathie und Antipathie, sind sehr egozentrische Werturteile. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts stellte der Kunsthistoriker Theodor Lipps (1851-1914)4 unter psychologischen Gesichtspunkten die Frage nach dem übergeordneten Kriterium von Schönheit. Auf der von ihm entwickelten Einfühlungstheorie, die durch Worringer5 eine Erweiterung innerhalb der abstrakten Kunst erfuhr, basieren die folgenden Gedanken, die sich auf den Schaffensprozess der Dziersken Collagentechnik bezieht. Bindend allein für das Werturteil ist für ihn die EMPATHIE, das Sich-einfühlen, in den bzw. das Andere. Erst aus dieser inneren Identifikation mit dem Gegenüber, dem Gesehenen, Erlebten, resultiert der Wunsch nach Verständigung, der Drang zum Finden einer Ethik oder eines Engagements. Ohne diese Einfühlungsgabe sind weder zwischenmenschliche Beziehungen noch Kunstschaffen und Kunstinterpretationen möglich. Daraus ergeben sich zwei Möglichkeiten im Umgang mit den täglichen Paradoxien menschlicher Existenz oder mit den unlösbar erscheinenden gesellschaftlichen Problemen: Entweder die Konfrontation mit dem Paradoxon bewirkt ein empathisches Sich-einfühlen mit dem ‚Zugleich-Richtig-und-Falschen‘, das in ein kreatives Handeln und zu neuen ethischen Maßstäben führen kann (Paradoxie-Empathie-Kreativität) oder das Paradoxon löst eine fatalistische Resignation aus, die auf eine unkontrollierbare Konsumsucht zuzusteuern droht und die einer Flucht in eine Scheinwelt gleichkommt (Paradoxie-Fatalismus-Konsum). Udo Dziersk besitzt die Gabe, sich in das Gesehene und Erlebte einzufühlen, es in seinen Bildern zu verarbeiten und es an uns, den Betrachtern weiterzugeben.
Kunst kann die Welt so wenig verändern wie Ethik. Beide, Kunst und Ethik, können nur auf sehr individuelle Weise Kommunikation bedeuten. Je individueller unsere Gesellschaft wird, desto schwieriger werden die Möglichkeiten, beides zu vermitteln. Es ist heute kaum möglich, allgemeingültige Werte für beide Bereiche zu finden. Waren früher die Religion wie auch Kunststile allgemeine Interpretationsschlüssel, so ist heute ein Kunstwerk in erster Linie das Zwiegespräch des Künstlers mit sich selbst. Seit dem 19. Jahrhundert beansprucht das einzelne Kunstwerk keine allgemeine Objektivität mehr. Inwieweit jedoch subjektive Aussagen von Künstlern es vermögen, aus ihrer Privatheitlichkeit herauszutreten und auf den Betrachter überzuspringen, sich in ihm sozusagen fortzusetzen, das unterscheidet eine gelungene von einer nicht gelungenen Arbeit. Auch dies ist primär ein Prozess von Ursache und Wirkung, der auf der Einfühlungsgabe des Betrachters basiert. Sich auf Udo Dzierks Malerei einzulassen bedeutet, sich auf die Reise zu machen. Eine Reise in unterschiedliche Ebenen, Räume und Realitäten, die zu einer distanzierten, intellektuellen Auseinandersetzung mit den oben angesprochenen Themen führt, gleichzeitig aber auch ein Sich-einfühlen zulässt und so im Idealfall zu einer inneren Reise des Betrachters werden kann.

Literaturverzeichnis:
1 Baudrillard, Jean „Die fatalen Strategien“, 1984
2 Schmitt, Jochen Paul „Die Wucherung und das verlorene Maß“ in: Kunstforum International Bd.111, S. 70-72
3 Bianchi, Paolo „Postmoderne“ in: Kunstforum International Bd.106, S. 82
4 Lipps, Theodor „Ästhetik. Psychologie des Schönen und der Kunst“ 2 Bände, Voss, Hamburg, 1903
5 Worringer, Wilhelm „Abstraktion und Einfühlung“ Piper, München, 1907

Brigitte Wiegmann. Werkschau 1980-2020.

 

 

Im März 2020 feiert Brigitte Wiegmann ihren 80. Geburtstag. Anlass für die cubus kunsthalle, duisburg eine Ausstellung mit Arbeiten auf Papier aus vier Jahrzehnten zu zeigen.

Für Brigitte Wiegmann spielt das Bauhaus und die am Bauhaus beheimateten Künstler, insbesondere die Schriften von Wassily Kandinsky, bis heute eine bedeutende Rolle. Hierfür wurde sie mit dem Kulturpreis der Stadt Bottrop, 1999, ausgezeichnet. Wechselwirkungen von bildender Kunst und Musik, für die das Bauhaus bezeichnend war, spielen im Werk von Brigitte Wiegmann eine ebenso wichtige Rolle, wie systematische Farbuntersuchungen. Thematisch untersucht die Künstlerin Farbklänge und setzt diese in Bezug zu Klangfarben. Die Ausstellung in der cubus kunsthalle, duisburg greift beide Themenbereiche auf.

Zur Ausstellungseröffnung am 9.2.2020 um 14.30 Uhr laden wir Sie herzlich ein.

Begrüßung: Dr. Claudia Schaefer, Direktorin der cubus kunsthalle, duisburg

Grußwort der Stadt Duisburg: Thomas Krützberg, Kulturdezernent der Stadt Duisburg

Grußwort der Stadt Bottrop: Klaus Strehl, Bürgermeister der Stadt Bottrop

Einführung: Dr. Christiane Vogt, Direktorin der Ludwig-Galerie, Schloß Oberhausen

Am Saxophon Lenhart Allkemper

Eintritt frei!! 

Im Anschluss an die Eröffnung freuen wir uns über angeregte Gespräche bei einem Buffet im Café Museum.

Wir danken dem Einrichtungshaus Oppermann und der Sparkasse Duisburg-Stiftung für Ihre großzügige Unterstützung.

 

Kunstmarkt 2019, Ausstellungseröffnung: 8.12.19 um 16 Uhr. Öffnungszeiten: 8.12.19 – 31.1.20, mi-so: 14h-18h, Eintritt frei!

Über 60 Duisburger künstlerische Positionen

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25 jähriges Jubiläum am Standort Kantpark

Öffnungszeiten:

8.12.2019 – 31.1.2020

Mittwoch – Sonntag 14:00 Uhr – 18:00 Uhr

  • Eintritt frei – 

Auch in diesem Jahr bietet die cubus kunsthalle zu ihrem 25-jährigen Jubiläum im innerstädtischen Skulpturenpark, dem  Kantpark,  wieder Duisburger Künstlern und Künstlern aus den Nachbarregionen ein Forum, Ihre aktuellen Arbeiten parallel zum Duisburger Weihnachtsmarkt einem breiten Publikum vorzustellen.

Der Duisburger Kunstmarkt in der cubus kunsthalle findet alljährlich über den Jahreswechsel hinaus statt und ist zu einem festen Bestandteil im jährlichen Kulturprogramm geworden. Er bietet vorrangig der Duisburger Künstlerschaft eine Möglichkeit ihre aktuellen Arbeiten einem breiten Publikum vorzustellen. Der Kunstmarkt gibt so jedes Jahr einen Überblick über das künstlerische Schaffen in unserer Stadt. Die gute Resonanz der Kunstmärkte in den vergangenen Jahren, zeigt, dass sich Kontinuität auszahlt und Besucher aus den angrenzenden Städten in unsere Stadt kommen, um die hier ausgestellte Kunst zu sehen und im Idealfall auch erwerben. Die Kunstwerke belaufen sich preislich zwischen 50 und 500 € spannen den Bogen über Malerei, Grafik, Zeichnung, Fotografie zur Skulptur und Plastik.

Der Kunstmarkt wird am Sonntag, dem 8.12.2019 durch den Kulturdezernenten der Stadt Duisburg, Herrn Thomas Krützberg, eröffnet und ist dann mi-so von 14-18 h bei freiem Eintritt geöffnet.

Am 15.12.2019 findet unter der Leitung von Miriam Bastisch ein Mosaikworkshop, in dem jeder Teilnehmer diese alte Kunsttechnik erlernen kann und eine eigene Mona Lisa mit nach Hause nehmen kann. Kostenbeitrag incl. Material 20 €. Anmeldung unter 0203-26236

Besonderer Dank geht an die Sparkasse Duisburg, die den Kunstmarkt seit Anbeginn unterstützt und an das Kontor Duisburg für die mediale Kooperation!

Arbeiten mit Fotografie – Ausstellung der Freien Duisburger Künstler – 25.10. – 1.12.2019 / mi-so: 14h-18h / Eintritt frei

Ingeborg – & – Alfred – Roeder – Kunstpreis 2019 // AB 7.9 – 29.9.2019 – Eintritt frei

 mi – so 14h – 18h

auch geöffnet am 28. und 29.9. 2019

Zum sechsten Mal werden in diesem Jahr Arbeiten von Teilnehmerinnen und Teilnehmern verschiedener VHS-Kunstkurse mit dem Ingeborg-und-Alfred-Roeder-Kunstpreis ausgezeichnet.

26 der von einer fünfköpfigen Jury zu diesem Wettbewerb eingereichten Arbeiten werden vom 7. bis zum 28. September in einer Ausstellung in der cubus kunsthalle präsentiert. Im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums der VHS, Duisburg werden die Arbeiten in einer zwei wöchentlichen Ausstellung ab dem 7.9.2019 im Veranstaltungsraum (1. Obergeschoss) der cubus kunsthlle, duisburg der Öffentlichkeit vorgestellt.

Zur Ausstellungseröffnung am Samstag, dem 7.9.2019 um 18h laden wir Sie herzlich ein.

cubus kunsthalle, duisburg
Friedrich-Wilhelm-Str. 64
47051 Duisburg

Aufgrund der anhaltenden Bauarbeiten an der Friedrich-Wilhelm-Straße können Sie die cubus kunsthalle nur über die Düsseldorferstraße oder die Mercatorstraße erreichen. Bitte folgen Sie der Ausschilderung!