Kurt Sandweg

Kurt Sandweg

Retrospektive

7.10.– 27.11.2005

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… und plötzlich fehlte der Humus …Dr. Claudia Schaeferimage
cubus kunsthalle, duisburg
Auszug aus dem Katalogbuch zur AusstellungWas von langer Hand vorbereitet und einmal von der Politik beschlossen wurde, wenn damals auch bereits als Fehlentscheidung erkannt, wird trotzdem umgesetzt. Die Schließung des Fachbereichs Musik- und Kunsterziehung der ehemaligen Gerhard-Mercator-Universität Duisburg im Jahr 1993 ist dafür nicht nur Beispiel, sondern Beweis. Der Kampf der Professoren, unter Ihnen Kurt Sandweg, Lehrbeauftragen und Studenten konnte daran nichts ändern, allein den Abschuss etwas mildern, indem der Fachbereich infolge in ein Zentrum für Musik und Kunst überführt wurde. Am sogenannten ZMK konnte kein Abschluss mehr erworben werden, es stellte lediglich ein zusätzliches Angebot für die Studenten der Universität dar und auch das schlagende Argument, damit Kosten einzusparen, ging nicht auf. Die Kosten konnten durch das Zentrum nicht wesentlich gesenkt werden. Seit fünf Jahren existiert das ZMK auch nicht mehr doch durch die Zusammenlegung der Universitäten Duisburg und Essen gibt es wieder einen Fachbereich Kunstpädagogik, jedoch nicht mehr in Duisburg, sondern in Essen.
Als Kunsthalle, die eng mit Künstlern und Professoren des damaligen Fachbereichs zusammenarbeitete, spürte die cubus kunsthalle die Auswirkungen, die die Schließung für die Stadt und die in ihr lebenden Bürger hatte, aus nächster Nähe.
Damals befand sich die Kunsthalle nicht nur in örtlicher, sondern auch in geistiger Nähe zur Universität. Dies, weil ich die Kontakte aus meiner – wenn auch kurzen – Studentenzeit und späteren wissenschaftlichen Mitarbeiterschaft im Fachbereich Kunstpädagogik rekrutierte. Die Kunsthalle lebte damals von dem vitalen Austausch zwischen den Studenten und der Universität entwachsenen Künstlern gleichwohl den dort tätigen Professoren und Dozenten. Sie bot die Möglichkeit einer innerstädtischen Plattform, die den universitären Arm in das Stadtzentrum verlängerte und Begegnungen mit kunstinteressierten Bürgern ermöglichte. Ich erinnere mich noch gut an die zahlreichen Colloquien, die Prof. Hans Brög in Kooperation mit der Kunsthalle veranstaltete und die als Ergänzung zum Unistoff eine beliebte Veranstaltungsreihe für Studierende darstellte. Viele Studenten erprobten in der Kunsthalle erste Ausstellungspräsentationen und sammelten so Erfahrungen mit dem Ausstellungsbetrieb. Natürlich war dies nur ein begleitendes Nebenprodukt, denn erster Anspruch der Universität war – das sollte nicht vergessen werden – die Ausbildung von Lehrern, nicht von Künstlern. Kunstpädagogik hieß der Fachbereich, nicht Freie Kunst – und es handelte sich eben nicht um eine Kunstakademie. Der Geist jedoch, der durch den Fachbereich fegte, war teilweise beseelt von dem Wunsch und Willen freikünstlerisch tätig zu werden. Ja, und dieser Geist prägte auch damals unsere Stadt. Er formte letztendlich auch die Duisburger Künstlerschaft und Kunstszene. So verwundert es auch nicht, dass nicht wenige der damaligen Lehramtsanwärter den Weg in die freie Kunst gesucht und gefunden haben. Kurt Sandweg hat durch sein engagiertes Vermitteln künstlerischer Techniken in den Bereichen Bildhauerei, Plastik und Zeichnen intensiv dazu beigetragen und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass seine Seminare etwas von der akademischen Ausbildung, der sogenannten „Meisterklassen“ innehatten.
Aber es war auch insbesondere Kurt Sandweg, der sich mit seinen Studenten immer wieder Gedanken über die Urbanität unserer Stadt machte und Seminare zum Thema Stadtgestaltung anbot. Gerade dieses sich Einmischen, Anstöße geben, den kritischen Geist hoch haltend, fehlt heute. Die Schließung des Fachbereiches hinterließ eine Lücke, die bis heute nicht geschlossen werden konnte. Plötzlich fehlte der Humus, von dem sich Kreativität nun einmal nährt. Eine Einbuße, die auch die Kunsthalle zu spüren bekam. Lebendige Kunstszenen können nur in Kohabitation mit einer Kunstakademie, -Hochschule oder Universität mit entsprechenden Fachbereichen existieren. Da, wo diese Bildungsstätten funktionieren, da etablieren sich, da blühen kulturelle und künstlerische Landschaften. Künstler beeinflussen das Bild ihres Umfeldes, sie tragen zur Kreativität in einer Stadt bei, sie bilden wiederum die Bürger, indem sie Reize bieten und wenn dies alles vorhanden ist, dann lassen sich auch Galerien nieder. Es entstehen Ateliers, es kommen Kunstkritiker und man spricht von einer lebendigen Kunstszene. Dies alles, war ansatzweise vorhanden, brach aber mit der Schließung des Fachbereiches ab. Dies geschah in einer Zeit, in der die Stadt Duisburg nichts notwendiger benötigt hätte als Kreativität und neue Ideen. Denn die Stadt befand inmitten eines Strukturwandels, der längst überfällig war. Wer weiß, wie sich unsere Stadt entwickelt hätte, wenn man den Fachbereich erhalten und die dort wirkenden geistigen Kräfte aktiv in diesen Strukturwandel eingebunden hätte. Nicht zuletzt ist auch die cubus kunsthalle, wie sie sich heute darstellt, als eine der positiven Auswirkungen, eben dieser geistigen universitären Prägung zu werten. Als nicht städtische Einrichtung in dem Gebäude des ehemaligen Niederrheinischen Museums steht sie für das Konzept des privat-public-partnership, das durch engagierte kulturinteressierte Bürger mittlerweile über zehn Jahre getragen wird. Auch vor diesem Hintergrund freue ich mich besonders mit dieser Ausstellung und dem vorliegenden Katalogbuch einen Künstler und „Professor“ zu würdigen, der durch seinen unermüdlichen Einsatz zum geistigen Klima der Stadt und zur kritischen Auseinandersetzung ihrer Bürger beigetragen hat. Nachdem Kurt Sandweg seit 1976 immer wieder Teile seiner umfangreichen Sammlungen im ehemaligen Niederrheinischen Museum zeigte, ist es mir eine besondere Freude, mit dieser Ausstellung erstmals sein künstlerisches Werk in diesem Hause zu präsentieren.
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