Andrea Bender . Goldstück

28.4 – 3.6.2012
 

Andrea Benders Malereien greifen das „Nichtgreifbare“ thematisch auf. Sowohl durch ihren Inhalt als auch durch ihre Malweise. Letztere ist dadurch gekennzeichnet, dass mehrere Gattungen simultan zusammenfließen: Aquarell, Zeichnung, Malerei. Ihre Malerei besteht in dem Zusammenspiel, pendelt hin und her zwischen den Polen, will weder das Eine noch das Andere sein, ist durch Definitionen nicht eindeutig greifbar. Die Farbe mal fließend, mal pastos, dann lasierend, und dann wieder so dick, dass ein Relief entsteht. Andrea Bender lenkt damit den Blick des Betrachters auf das Wesentliche. Wie ein Regisseur, der seine Figuren auf der Leinwand agieren lässt.

Andrea Bender thematisiert das „Nichtgreifbare“ aber ebenfalls durch die Inhalte Ihrer Erzählungen. Die Malerei Goldregen gibt einen Einblick in einen perspektivisch verzerrten Barocksaal, in dem ein kleines Mädchen auf dem Tisch sitzt. Scheinbar unschuldig scheint sie zu spielen. Scheinbar. Die nähere Betrachtung lässt uns Betrachter zunächst zweifeln und dann ratlos zurück…

Wer jetzt neugierig geworden ist, ist herzlich eingeladen die Ausstellung ab dem 28.4.2012 in den Öffnungszeiten mi-so von 14-18h zu besuchen. Der Eintritt ist frei.

Die 1972 im Vogelsbergstädtchen Schotten geborene, an der Frankfurter Städelschule und der Düsseldorfer Akademie von Jörg Immendorf und Dieter Krieg ausgebildete Künstlerin stellt in ihren gegenständlichen Malereien irritierende Bezüge zwischen Mensch und Raum her.

Barocke historische Kulissen, die Macht, Einfluss und Wohlstand verkörpern, setzt sie in Kontrast zu extrem individualisierten Figuren, die den Betrachter zu fixieren scheinen, der auf diese Weise zum unfreiwilligen Zeugen intimer Szenen wird – und zum unerwünschten, wie es bisweilen scheint, zumindest lassen sich so die oftmals finster-taxierenden Blicke ihres Personals deuten. Aber auch der Mann im Wald, das Goldtaler sammelnde Kind, der Barockjüngling mit Micky-Maus-Puppe scheinen in diesen Räumen fehl am Platz zu sein, mit ihren nicht zeitgemäßen Requisiten. Mädchen mit riesigen Boxhandschuhen, zivilisierte Hasen, bevölkern zudem das Wunderland der Andrea Bender, in dem die Größenverhältnisse auf den Kopf gestellt werden.

„Hasenpfeffer“ von Andrea Bender noch bis 15. April in der Galerie Thomas Hühsam, Frankfurter Straße 61, Offenbach. Geöffnet: Mittwoch bis Freitag von 15-20 Uhr und nach Vereinbarung (069/810044)

Ihre theatral anmutenden Bühnenbilder setzt die Künstlerin mit großer Akribie, aber umso leichterem Pinselstrich in Szene, spannt dabei einen dramaturgischen Bogen von wie aquarelliert wirkenden, transparenten Farbwischern hin zu pastosen Pigmenthaufen, die sich unversehens in den Raum wölben. Auch bei der überlebensgroßen Darstellung des jungen Max Schmeling korrespondiert dessen vitales Aussehen mit der wie zersetztes Zelluloid wirkenden Oberfläche.

So leicht wie Andrea Bender ihre Fantasien in kraftvollen Farben auf die Leinwand setzt, so zwingend und selbstverständlich wirken ihre Kompositionen. Nichts überlässt sie dem Zufall, alles ist wohl überlegt und deshalb unmittelbar wirkungsvoll. Und trotz ihrer formalen Perfektion sprechen die Arbeiten den Betrachter auf einer emotionalen Ebene an. Da verwundert es nicht, dass die Künstlerin mittlerweile die internationale Szene erobert und das Interesse vieler Sammler geweckt hat.

 bender-vorne

Sammlung Prof. Horst Schuhmacher

(Termin wird noch bekannt gegeben)

Nachdem die Ausstellung der beiden Duisburger Künstler E. Koukouwitakis/G. Thorn bis zum 15.7.2100 verlängert wurde, stellt die cubus kunsthalle ab Anfang August  die Sammlung von  Prof. Horst Schuhmacher aus. Die Ausstellung ist Beginn einer Ausstellungsreihe, die Sammlungen Duisburger Bürger zeigen wird. Interessierte können sich ab Anfang August mit der cubus kunsthalle in Verbindung setzen und ihren Sammlungsschwerpunkt vorstellen.


B.C. Koekkoek

Der  im  März verstorbene Professor Dr. Dr. Horst Schuhmacher  stammt aus Ruhrort und ist Sohn des Ehepaares Schuhmacher, seinerzeit Besitzer des Restaurants „die Postkutsche“.  Die zu sehende Sammlung geht auf seinen Vater Heinrich Schuhmacher zurück.  Über 200 Malereien, Grafiken, Skulpturen und Plastiken sowie zahlreiche historische Dokumente rund um das Postwesen wurden zusammengetragen und waren bereits in einigen Ausstellungshäusern, so bereits 1974 im ehem. Niederrheinischen Museums, den Räumen der heutigen cubus kunsthalle, zu sehen.

Zufall oder Bestimmung? Dass nun bei der Wohnungsauflösung die Sammlung wieder aufgetaucht ist und wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte, ist uns eine besondere Freude.  Zu sehen sind vornehmlich deutsche Meister des 19. Jhs., die sich auf Motive von Postkutschen fokussierten. Neben Malereien umfasst die Sammlung  interessante Dokumente über das Postwesen. So, alte Landkarten, Reisebücher, Passierscheine, die Einblicke in das Reisen vor Erfindung der Eisenbahn erlauben.  Aus der ersten Ausstellung  stammt auch der Katalog „Aus der Postkutschenzeit“, von dem noch Restexemplare vorhanden sind und die ebenfalls im Rahmen der jetzigen Präsentation angeboten werden können.

Aus Gründen der kurzfristigen Anberaumung dieser Ausstellung können leider keine Einladungskarten gedruckt und verschickt werden. Wir bitten um Ihr Verständnis. Ende August wird ein Formelle Würdigung durch Herrn Benno Lensdorf, Bürgermeister der Stadt Duisburg erfolgen, zu der wir per email und über die Presse einladen werden.
Ab 1. August 2011 ist die Ausstellung von mi-so 14-18 Uhr geöffnet. Weiterlesen

Erster Duisburger-Salon-Nachmittag

Am 08.05.2011 findet der erste Duisburger-Salon-Nachmittag

in der cubus kunsthalle duisburg, Friedrich-Wilhelm-Str. 64, 47051 Duisdburg statt.

Um 16:00 Uhr beginnt wieder einmal eine ganz besondere Veranstaltung, wie es sie bisher in Duisburg nicht gab.  Dazu laden wir Sie herzlich ein! Weiterlesen

20. Jubiläum von Wildwasser Duisburg e.V.

Anlaesslich des 20. Jubilaeums laed Wildwasser Duisburg e.V. am 26. Mai 2011 zum Vortag mit Michaele Huber von 15:00 bis 16:00 Uhr „Psychische, koerperliche und soziale Folgen sexueller Gewalt – Was brauchen die Ueberlebenden?“

zum Workshop fuer Fachpersonen mit Michael Huber von 16:15 – 18:00 Uhr:

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Duisburger Sezession

Plakat Duisburger Sezessionen 2010 Ausstellung vom 16.10. bis 14.11.2010

Neben dem Duisburger Künstlerbund, den „freien Duisburger Künstlern“ ist die Duisburger Sezession lebendiger Bestandteil der Duisburger Kunstszene. Die künstlerischen Ausdrucksformen ihrer Mitglieder reichen von der Zeichnung bis zum Tafelbild, von der freistehende Skulptur bis zur Installation, von der Performance über Video bis zur computergesteuerten Malerei. Weiterlesen

Ronald Franke . Werner Paß – Malerei . Stahlobjekte

In Kooperation mit der art-gallery im Kunsthaus-NRW, krefeld präsentiert die cubus kunsthalle, duisburg Arbeiten der Künstler Werner Paß und Ronald Franke.

Werner Paß und Ronald Franke, zwei künstlerische Positionen, die auf den ersten Blick aufgrund ihrer unterschiedlichen Materialien – gezeigt werden Malereien und Stahlobjekte – weit von einander entfernt scheinen. Doch innerhalb der Präsentationen sieht man, dass Frankes Stadt-, Land-, Fluss- und Hafenbilder, die er teils auch auf Binnenschiffen realisiert hat, durch die Stahlarbeiten von Werner Paß im romantischen Sinne regelrecht ergänzt werden. Die großformatigen Industrie- und Landschaftsbilder verzichten gänzlich auf den Betrachter im Bild. Durch die Zuordnung der Stahlobjekte, Figuren und Köpfe von Werner Paß ergeben sich für die Malereien neue Zusammenhänge. Figur und Bild bilden durchaus neue Einheiten, wobei das Stahlobjekt nicht selten in verblüffender Weise die Funktion der romantischen Rückenfigur übernimmt.

Ausstellungseröffnungen am

  • Freitag, dem 10.9.2010 in der cubus kunsthalle, duisburg um 19°° Uhr und am
  • Samstag, dem 11.9.2010 in der art-gallery im Kunsthaus-NRW krefeld um 16°° Uhr

Es spricht: Dr. Susanne Hoeper-Kuhn, Kunsthistorikerin, Düsseldorf
cubus kunsthalle, duisburg
Friedrich-Wilhelm-Str. 64 47051 Duisburg (Kantpark) 0203 333174
geöffnet mi-so 14°°-18°°
www.cubus-kunsthalle.de

art-gallery im Kunsthaus-NRW
Alte Linner Strasse 131-135, 47799 Krefeld 02151 7814470
geöffnet di-sa 10°°-18°°
www.kunsthaus-nrw.de


Ronald Franke


Werner Paß

 

Ausstellungskatalog

Ursula Kaufmann. Fotografie

Ursula Kaufmann. Fotografie

Pina Bausch. Getanzte Augenblicke

29.5. bis 29.8.2010

Ursula Kaufmann: „Vollmond – Ein Stück von Pina Bausch“ 05/2006. Tänzer: Azusa Seyama und Jorge Puerta Armenta

 

Unter dem Titel „Pina Bausch. Getanzte Augenblicke“ zeigt die cubus kunsthalle Fotografien der bekannten Künstlerin Ursula Kaufmann. Die Ausstellung wurde aus dem Kunstforum Pan übernommen und geht im Anschluss von der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 in die Kulturhauptstadt Istanbul. Duisburg ist damit die Vernetzung und die Verbindung beider Kulturmetropolen gelungen.

Die Essener Fotografin Ursula Kaufmann arbeitet seit  mehr als zwei Jahrzehnten eng am Thema Tanztheater. Niemand prägte dieses Thema so eindrucksvoll wie sie. Ein absolutes Highlight stellen die Fotografien dar, die Pina Bausch unvergesslich bei ihrer Arbeit zeigen. Getanzte Augenblicke, die das flüchtige des Tanzes festhalten. Mit dem 1998 herausgegebenen und längst vergriffenen Bildband über die Arbeit von Pina Bausch, die sie über viele Jahre intensiv begleitet hat, machte sie sich einen Namen. Die Ausstellung gibt einen Einblick in diese Arbeit und zollt gleichsam der 2009 verstorbenen Pina Bausch gebührende Ehre, indem Sie den verflüchtigten Augenblick zur Ewigkeit verhilft.

Ursula Kaufmanns Fotografien zeichnen sich durch eine hohe, Ihr eigene Farbintensivität aus. Diese unterstreicht die Expressivität der sich in Bewegung befindenden Figuren.

 

„Getanzte Augenblicke – Pina Bausch in der Fotografie von Ursula Kaufmann“
Kurator: Stephan A. Vogelskamp
cubus Kunsthalle, duisburg
Friedrich-Wilhelm-Str. 64
47051 Duisburg
29.05. – 31.07.2010, Mi. – So., 14.00 – 18.00 Uhr

 


 

Immer wenn Pina Bausch inszenierte, durfte Ursula Kaufmann fotografieren. Sie selbst sagte einmal. „Ich liebte und liebe diese Wuppertaler Tänzer. Ihre ausdrucksvollen Gesichter und Gesten vergisst man nie.“ Ursula Kaufmann, zählt zu den wenigen glücklichen Menschen, die ihre Leidenschaft und Berufung zum Beruf gemacht von der einstigen Industriekauffrau zu Deutschlands Top-Tanzfotografin. Bei Pina Bausch saß sie immer in der ersten Reihe – fasziniert vom Wunder des Wuppertaler Tanztheaters. „Und wenn ich totkrank wäre – verpassen würde ich keine dieser einzigartigen Begegnungen und Erfahrungen“. Kein Buchverlag, der Bauschs revolutionäre Tanzschöpfungen präsentiert und analysiert, kommt ohne Illustrationen von Ursula Kaufmann aus. Bausch autorisierte zwei Bildbände der gebürtigen Essenerin („nur du“, „ursula kaufmann fotografiert pinabausch und das tanztheater wuppertal“, beide bei Müller + Busmann, Essen). Fast hundert Großaufnahmen wanderten durch Ausstellungen von Berlin bis Düsseldorf und auch zu Hannovers EXPO 2000. Das Goethe-Institut sponserte (und vertreibt weltweit) den Katalog „Tanztheater Heute. Dreißig Jahre deutsche Tanzgeschichte“ mit Kaufmann-Fotos. Hunderte von Fotos schoß Ursula Kaufmann mit mehreren Kameras und Objektiven bei jeder Generalprobe zu den neuen Bausch-Stücken. Die schönsten übermittelte sie in der Nacht nach der Premiere an Zeitungen in aller Welt. Kaufmanns Foto-Archiv birgt praktisch eine komplette Dokumentation des weltberühmten Tanztheaters und trifft den Nerv der Atmosphäre. Das fasziniert selbst die Ikone zeitgenössischer deutscher Tanzkunst. Das erste Treffen Bausch – Kaufmann sei „total banal“ verlaufen, erinnert sich Kaufmann. Quasi auf dem Treppenabsatz sei sie, die Fotografin, der wortkargen, scheuen Choreografin vorgestellt worden. Es war wohl eine Art Liebe auf den ersten Blick für dieselbe Arbeitsweise: nix Verstelltes, alles echt, sehr gute Bilder. Kaufmann fängt die Eleganz, Farbigkeit und Melancholie der Bausch-Stücke ein wie wenige.

Nichts ist flüchtiger als die Bewegung im Tanz, nichts statischer – unbarmherziger – als eine Fotografie. Friert sie doch die Bewegung ein. In der Arbeit von Ursula Kaufmann treffen Bewegung und Statik aufeinander – und es passiert Verblüffendes. Der Augenblick wird festgehalten, als wenn die Zeit festgehalten würde, doch die abgebildeten Tänzer beginnen sich im Auge des Betrachters weiter zu bewegen. Das macht Kaufmanns Fotografien zu lebendigen, zu bewegten Bildern des Augenblicks. Sie verewigen diesen einen Augenblick, und es ist, als spiegelte sich das ganze Stück, die Gänze der Bewegungen einer Inszenierung in diesem einen flüchtigen Moment wider. Betrachtet man die fotografischen Arbeiten, dann tritt jedoch die Inszenierung in den Hintergrund, dann zählt nur die festgehaltene Geste, die Bewegung und die Farbintensität. Das macht die Arbeiten Kaufmanns auch zu mehr, als zu reinem, nüchternem Dokumentationsmaterial über das Tanztheater Wuppertal. Sie dürfen als eigenständige Kunstwerke betrachtet werden. Ursula Kaufmann und Pina Bausch, zwei Künstlerinnen, zwei gegensätzliche Kunstgattungen. Die eine gibt der jeweils anderen, das, was sie nicht hat. Flüchtige Bewegung – andauernde Ewigkeit. Im festgehaltenen Augenblick wachsen sie zu einer Einheit zusammen und werden zu einer eigenen, über die Inszenierung hinausführenden, Bildaussage.

Wir freuen uns, dass die Ausstellung mit Hilfe des Kurators, Herrn Stephan Vogelskamp aus dem Emmericher Kunstforum PAN nach Duisburg gekommen ist. Sie knüpft somit ein wenig an die Preisverleihung des Musikpreises der Stadt Duisburg an, mit dem Pina Bausch im Jahr 2008 geehrt wurde. Wir freuen uns ebenfalls, dass die Ausstellung von Duisburg aus nach Istanbul reisen wird und so in beiden Kunsthauptstätten besucht werden kann.

Ursula Kaufmanns Arbeiten haben dies verdient und die viel zu früh verstorbene Pina Bausch hätte sich bestimmt sehr mit ihr gefreut.

 


Der Dank gilt den Förderen und Unterstützern:

Janett Brown – ExTraherimus

Janett Brown

ExTraherimus

28.3. – 14.5.2010

„Die menschliche Hand bildet ihre Werke aus toter Materie genau nach den gleichen Formgesetzen, nach denen die Natur die ihrigen formt. Alles bildende Kunstschaffen des Menschen ist daher im letzen Grunde nichts anderes als Wettschaffen mit der Natur.“

Diese Aussage machte um 1900 der berühmte Kunsthistoriker Alois Riegl, der schon damals einen beständigen Wettbewerb der Kunst mit der Natur erkannte, aber nicht auf dem Gebiet der Nachahmung der Formen, sondern der Nachahmung der schaffenden Natur. Eine solche schaffende Natur ist auch Janett Brown. Sie erschafft ihre eigenen Naturräume, Welten und kosmischen Konstellationen. Es sind innere Landschaften, Welten, die tagesform- und stimmungsabhängig sind – Reflexionen, die den Ideenkosmos der Künstlerin spiegeln. Brown geht es um die Vernetzung von Ratio und Emotion, um ein Beobachten und Reflektieren der Außenwelt und parallel dazu ein Hineinhorchen in sich selbst. Letztlich geht es um eine „Synthese von äußerem Sehen und innerem Schauen“ wie es Paul Klee treffend in seinem Aufsatz „Wege des Naturstudiums“ formulierte.

Bei den meisten Arbeiten der Malerin zeigen sich seit 1995 zwei Arbeitsprozesse. Der erste ist sehr intuitiv, Farbe und Formen werden unbewusst gesetzt. Die Künstlerin setzt nicht nur den Pinsel ein, sondern beginnt mit Schwämmen, Fensterabzieher, Spachtel und ihren Fingern zu experimentieren. Die abstrakten Farbschöpfungen erhalten somit starke Strukturen. Im zweiten Schritt nimmt sich die Künstlerin zurück. Sie schaut welche speziellen Farb- und Formkonstellationen entstanden sind und baut diese bewusst zu Figuren und Objekten oder individuellen Bewegungsströmen aus. Sie extrahiert die Essenz der Farbe und Form aus dem amorphen Farb- und Formgemisch und nennt dieses Vorgehen seit 2007 EXTRAHERISMUS. Janett Brown inspirieren neben den manchmal dramatisch inszenierten Wolkengebilden in ihrem Ammerländer Atelier in Bad Zwischenahn vor allem Farbkaskaden auf ihrer Leinwand. Sie erklärt: „Dann ziehe ich das anfangs Verborgene heraus… Ich verewige meinen Augenblick.“ Sie hält die dahin fließenden Formen auf, greift sich aus dem Meer der Möglichkeiten einige heraus und inszeniert sie. Dabei agiert sie wie viele Künstler, die amorphe Strukturen als Ideenkatalysator nehmen und damit dem jahrhundertealten Ratschlag Leonardo da Vincis folgen, der da lautet:„Eine neuerfundene Form des Schauens mag wohl klein und fast lächerlich erscheinen, ist aber doch sehr brauchbar um den Geist zu verschiedenerlei Erfindungen zu wecken. Sie besteht darin, dass du auf alte Mauern hinsiehst, die mit allerlei Flecken bedeckt sind, oder auf Gestein von verschiedenen Lagen. Hast du irgendeinen Vorgang zu erfinden, so kannst du da Dinge erblicken, die verschiedenen Landschaften gleich sehen,… ebenso allerlei Schlachten… und unzählige Dinge, die du in vollkommne und gute Form bringen magst… Durch verworrene Dinge und unbestimmte Dinge wird eben der Geist zu neuen Erfindungen geweckt… dasselbe gilt von der Asche im Feuer, von den Wolken oder vom Schlamm und andern solchen Stellen.“

Die Ausstellung in der cubus kunsthalle, duisburg gibt einen Einblick in ihr mehrjähriges Schaffen als Malerin. Thematisch zieht sich die Erkundung menschlichen Daseins durch das Werk wie ein roter Faden. Collageartig finden sich Gesichter, neben Tierkörpern, oft verwoben mit Symbolen und Zeichen. Hier scheinen ganze Geschichten parallel erzählt zu werden. Die Erzählstränge laufen auf unterschiedlichen Ebenen ab, scheinen sich zu verknüpfen, fließen aber wieder auseinander. Der Betrachter ist eingeladen zu entdecken: Gesichter, Menschen, Schicksale. Assoziationen werden geknüpft und die Bilder erhalten für jeden Betrachter eine andere Bedeutung.

Die Arbeiten der Künstlerin geben Denkanstöße, lassen vieles in der Schwebe und geben dem Betrachter den Freiraum sich in sie einzufühlen.
Janett Brown Werk besticht durch eine große Ausdruckskraft und ist zugleich ein stetes Ringen um Farbe und Form – Mal ein farbiges Feuerwerk und Mal eine kühne Reduktion auf das Wesentliche. Die Künstlerin zeigt in ihren Arbeiten das ständige Bedürfnis des Menschen, den Sinn in einer scheinbar chaotischen Welt zu finden und den eigenen Platz darin zu definieren – ein schier endloser Prozess wie die Bilder dokumentieren.

Dr. Christiane Braun, Kunsthistorikerin

 


Einladungskarte zur Ausstellungseröffnung

 

 

Janett Brown: Eröffnung