Roger Löcherbach – Andrea Bender

Roger Löcherbach – Andrea Bender

Doppelte Portion

2.4.-28.5.2006

 
Andrea Benders Malereien wirken farbenfroh und heiter. – Auf den ersten Blick. Das lustig und frohe Anmuten leuchtender Farben, das haptische Element des gestischen Farbauftrags zieht uns an, bewirkt Interesse und den Wunsch, sich näher mit den Arbeiten zu beschäftigen. Erst dann erkennen wir, dass Andrea Benders Malereien alles andere als harmlos und leicht verdaulich sind. Sie schreien. Sie schreien sowohl durch die Geschichten, die sie erzählen, als auch durch den Duktus des Pinselstrichs, durch den pastosen Farbauftrag, die schrillen Farben und Kontraste. Das, was uns anzog, uns mit ihnen zu beschäftigen, irritiert uns gleichzeitig, wenn wir uns an den Bildgegenstand herantrauen.Andrea Bender übernimmt die Regie. Die Leinwand wird förmlich zur Bühne der Figuren, die wir auf den ersten Blick zu kennen glauben, die uns vertraut erscheinen. Diese Vertrautheit und Sicherheit wird jedoch gebrochen durch die skurrilen Geschichten, die sie erzählen, vermitteln und manchmal auch nur erahnen lassen. Die Regisseurin behält den Überblick, sie weiß, wann eine Geschichte kippt, sie weiß auch, dass Irritation und Unsicherheit nur portionsweise zu verdauen sind. Bei Überdosis wendet sich der Betrachter ab. Es kommt auf das richtige Gleichgewicht an, die richtige Mischung der Gegensatzpaare. Verspielt Kindliches paart sich mit bösartigem Sarkasmus, Liebliches verbindet sich mit Grausamem zu einem Manierismus, der oft zu dem einen oder anderen Extrem neigt, zu kippen droht, sich dann wieder fängt und dank der Regie nicht aus dem Gleichgewicht kommt. Eine gute Dramaturgie, weil die Beschäftigung mit Benders Arbeiten spannend bleibt.Für Roger Löcherbach ist das Material Holz ein Medium, das sowohl die Form als auch den Inhalt seiner Skulpturen bestimmt. Die rohe Verarbeitung mit der Kettensäge, das Heraustrennen einzelner Segmente lässt das Material als haptisches Erlebnis wirken, der Baumstamm als Material für die Form bleibt bestimmend und präsent und wird nicht selten durch das teilweise Belassen der Rinde unterstrichen. Löcherbachs Arbeiten leben durch den spannungsvollen Gegensatz der sich diametral gegenüberstehenden Polaritäten von Natur und Kultur. Als wolle Löcherbach seinen Figuren immer vor Augen halten, woher sie kommen und aus was sie entstanden sind. Löcherbach setzt diese Materialästhetik bewusst in den Kontext des Inhalts, und er macht sichtbar, was vorher nicht sichtbar, wohl aber vorhanden war. Denn ein Stamm birgt unzählbare Formen und damit auch Entscheidungen. Löcherbach entscheidet sich fast ausnahmslos für den Menschen, für die Figur als Thema. So mag der Baumstamm als Metapher für Natur stehen, aus der sich die Form, die Figur – der Mensch als Metapher für Kultur – herausbilden. Mit jeder Arbeit beginnt dieser Wandlungsprozess aufs Neue. Löcherbachs Holzskulpturen thematisieren nicht selten menschliche Zustände, die auf die Verletzbarkeit und das Isoliert-Sein verweisen. Auch spielt dabei das Finden und Halten des Gleichgewichts eine bedeutende Rolle.

Obwohl die Arbeiten Löcherbachs einen gänzlich anderen Ausgangspunkt haben als die Werke Andrea Benders, immer dann, wenn sich die Themenkreise beider annähern, entsteht eine Inszenierung von hoher Spannung, als verdoppelte Dosis des Gleichgewicht-Haltens. Die Künstler verabreichen eben nicht zwei Portionen, sondern die doppelte Portion.

 

Hermann-Josef Kuhna

Hermann-Josef Kuhna

3.2. – 26.2.2006

www.hj-kuhna.de/

Vorwort
Seit Jahren zählt Hermann-Josef Kuhna zu den Künstlerpersönlichkeiten, die sich ausschließlich mit der Wirkung der Farbe auseinandergesetzt haben. Seit 1972 bildet er Kunsterzieher und Künstler an der Kunstakademie Münster aus, die ihn 1979 zum Professor ernennt. Es ist mir eine besondere Freude seine Arbeiten vom 3.Februar 2006 bis zum 30. April in Duisburg zeigen zu können.
Downtown 1997
Ich durfte Hermann-Josef Kuhna als einen ständig arbeitenden, sehr aktiven , Künstler kennen lernen, der seine Experimentierfreude – in dem von ihm festgelegten Rahmen der „pointillistischen“ Farbwirkung – geradezu auslebt. Mit größter Disziplin setzt Kuhna Farbtupfer auf farbigem Leinwanduntergrund und schafft es durch Verdichtungen der Pinseltupfer oder –striche das Auge des Betrachters auf bestimmte Konzentrationen und Bewegungen zu lenken. Seit Monet, Seurat und Signac, sind uns diese Phänomene, die Zusammensetzung einer Form, einer Landschaft eines Gegenstandes allein aus Farbtupfern und –strichen bekannt. Hermann-Josef Kuhna geht jedoch mit seiner zeitgemäßen „strukturellen Malerei“ einen bedeutenden Schritt weiter, ja, er geht bis zum Extrem des Erkennbaren oder bis zur Grenze von erkennbarer Form. Wo befindet sich der schmale Grad zwischen schwingenden Farbklängen und Ornament? zwischen noch erkennbarer Form und der totalen Auflösung in Einzelpunkten? Wo kann die Grenzlinie zwischen einem all-over-painting und einer ornamentalen Arabeske gezogen werden? Die Arbeiten Kuhnas zeigen diese Grenzen auf, ohne sie jedoch zu definieren – und so sind sie eine Schule des Sehens für den jeweiligen Betrachter, der sich auf sie einlässt und für sich die Grenzen bestimmt.
Kuhnas strukturelle Malerei zeichnet sich durch einen hohen Abstraktionsgrad aus und fordert gleichsam den Betrachter dazu auf, sich in die Bildinhalte einzufühlen. Man muss sich mit der Farbe „Eins“ fühlen, um Sie in sich aufzunehmen, ja, um in sie einzutauchen. Erst dann wird man die Farbe in vollem Umfang erleben und sich ihrer Bewegung und Schwingung hingeben können. Dies gilt für den Künstler Kuhna, wie für die Betrachter seiner Arbeiten.
Dr. Claudia Schaefer
Leiterin der cubus kunsthalle, duisburg
 

 

Hermann-Josef Kuhna
1944 in Ottenhausen/Thüringen geboren Biographie:
1964 Abitur am humanistischen altsprachlichen Gymnasium in Köln-Mülheim
Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei den
Professoren Bobek, Arnscheidt und Weber
1969 1. philologische Staatsprüfung
1971 2. philologische Staatsprüfung
Ernennung zum Assessor des Lehramtes
Ab Mai 1971 freier Maler und Hilfsarbeiter im Dienstleistungsgewerbe
1972 Ab Wintersemester Dozent am Institut für Kunsterzieher der Staatlichen
Kunstakademie Düsseldorf, Abteilung Münster
1979 Ernennung zum Professor an der mittlerweile selbstständigen
Kunstakademie Münster
Pulsschläge der Zeit

Der Zufall fügt es, dass einige frühe Bilder von Hermann-Josef Kuhna sich seit Jahren in einer Pariser Sammlung befinden. Sie markieren eine rare Gelegenheit, dem verzeigten Weg von sublimierten Ausläufern des späten Informel über Nachklänge zum Surrealismus bis zu Vorausgriffen auf die musterselige Pattern Art der 70er Jahre zu folgen. Der junge Maler ist auf der Suche, doch seine Bilder sind erstaunlich stark und weit. Sie lassen sich noch in keine Richtung orientieren – aber sie entwickeln sich mit großer Konsequenz zu chromatischen Organismen, die das Telos dieser Malerei darstellen.
Das früheste Bild entstand 1967 und heißt Orange. Die starkfarbige Assoziation ist eine vitale Übertreibung, denn abgeklärter u. verhaltener kann ein Bild kaum sein. Ein rötliches Fleckenwerk wird durch ein schmutzgelbes, bedeckt grünes Gespinst feinster Nuancen sanft ins Zittern versetzt. Kaum, dass der orange farbige Grund zu ahnen ist – und doch kommt das Auge bei diesem optischen Kammerton nicht zur Ruhe. Die Oberfläche kräuselt sich im Spektrum von Rosa, Orange, Gelb,. Grün. Sie berührt Informel, Struktur, Monochromie. Das Bild des 23jährigen stimmt noch aus der Akademiezeit. Ein Kolorist des Leisen, Stillen auf dem Weg?
Aber Kuhna fährt nicht fort, die Leinwand sanft zu streicheln. Ein Jahr später wogt das Bild „witchcraft“ – Hexerei – als lebhaft beschwingtes Ornament. Es aktiviert kurvige Energien von Yin und Yang, von Mondsicheln und Tropfenflut. Alle Einzelformen sind klar umrissen. Die gleitenden Wirbel führen das Auge in Wellenrhythmen mit. Ein unaufhörlicher Tanz fließender Rundungen, der beruhigt, weil kein einziges Partikel aus dem Reigen tanzt. Weil alles, wie verbunden und verflochten, weiter schwingt, obgleich kein Teil an seinen Nachbarn stößt.
Dann gerät der junge Maler in einen anderen Bann. Der neue Zustrom führt in das Paris der Surrealisten und gleichzeitig weiter im Werk. Die Décalcomanien von Max Ernst und eine Symbolwelt des Halbbewussten, Unbewussten dringen durch. „Kirmes Entzug alpha“, exakt zehn Jahre später, hebt im Zentrum eine stahlblaue Palette hervor, von der bunte Luftschlangen ausstrahlen. Symbol für eine Malerei, die bedrohlich auf den Leib rücken kann? Zehn Messer stoßen rundum in rote Flecken, Blut färbt, wo sie eingebohrt worden sind. Die Malerei, ein gefährliches Metier? Oder wird romantische Topos von der tödlichen Macht der Kunst ironisch pointiert? Aufgespießt! In die Zukunft weist, dass Partikel und Flecken jetzt zusammenwollen. Ein gelbes Lineament vernetzt das farbig abgetönte Fleckenmuster des Grundes und durchfließt sein körniges Geriesel.
Im Bild „Kuhnakarium“ von 1985 hat der Verband sich vollends durchgesetzt. Er entfernt sich aus der Nähe orientalisch anmutender Ornamente ebenso wie vom psychisch aufladbaren Reservoir surrealistischer Symbole. Kuhna festigt die „Surrealität“ zur „Bildrealität“ und wird so zum Benjamin einer Ausstellung, die Jürgen Harten 1975 unter diesen Begriffen in der Kunsthalle Düsseldorf versammelt. Er geht damit dem historischen Zusammenhang automatischer Verfahren und bildnerischer Gesetzlichkeit nach. Für „Kuhnakarium“ hieß das: Farben rufen Farben herbei. Blau ein komplementäres Gelb, Rot ein dezentes Grün, das wie ein Echo verhallt. Zur Mitte hin strömt rosa Licht zusammen, das den Zellverband aufschmilzt.
Die letzten zwanzig Jahre heben sich deutlich als eine gesonderte Phase ab. Ohne Brüche oder rapide Entwicklungsschübe, aber auch ohne Stagnation. Jedes Bild wird sich selbst zur Aufgabe, Fleck für Fleck. Zu diesem malerischen Archetyp vor aller Bedeutung, Komposition, Illusion kehrt Kuhna zurück. Der Fleck, der farbige Impuls zieht sich als eigener Strang durch die ganze Kunstgeschichte. Ein venezianisch-koloristischer neben einem florentinisch-linienklaren, ein barocker neben einem klassizistischen Strang. Über den späten Tizian schreibt der bedeutende Kunsthistoriker Theodor Hetzer er wende die Malerei „zum kühnen Wesen des Flecks“. Wichtig ist, dass der Fleck farbig ist. Anders bleibt seine Ruhkraft stumm. Nur die Farbe sucht farbige Antworten; sucht Ab- und verführt zum Delirieren, doch letztlich verweigert sich Kuhnas strikt bildnerisches Konzept jeder Selbstentäußerung. Auch die lebhafteste Dynamik bettet sich in harmonische Ausgewogenheit.
Manchmal verdichtet eine Farbe sich durch Zusammenziehung zu lesbaren Figuren. Einem Herz in „Tristan“ oder einer sanft modellierten Rundung in der „Woge“, hinter der, hören wir auf Kuhna, die Anmutung eines Decolletés steht. Kuhna inspiriert sich beim Malen auch a AsZustimmung oder Komplementären Kontrast. Kuhnas Farbe bleibt flach ohne pastoses Profil der Pinselspur. Die stufenweise Trocknung bewahrt allen Farben ihre ungebrochen Leuchtkraft. Nur so wirken sie pur, unverwaschen und unvermischt. Der Auftrag in Partikeln steigert diesen nackten Kolorismus zu gleißender Härte oder einem sonoren Lyrismus, immer ohne weiche Abtönung, ohne Schattenhülle und Reflexe. Nur der helle oder dunkle Buntwert spricht.
Die Flecken können sich runden, biegen, tropfenförmig zuspitzen oder in die Länge ziehen. Sie können Punkt, Tupfer, Klecks, Häkchen, Splitter, Steg, Triangel sein. Alle Formen und Verläufe kommunizieren, verflechten, verweben sich – ohne einander zu stören oder gar zu verwischen. Sie strömen und wuchern zusammen, überwinden die klassische Zweiteilung von Figur und Grund und überführen sie in eine unlösliche Textur.
Nach dem Fleck also die Textur! Wie kommt sie zustande? Eine erste farbige Lage verlangt nach einer Reaktion. Eine zweite farbige Lage folgt, dann eine dritte…und so fort. Jeder nächste Schritt treibt die Verdichtung weiter. Nichts darf verschmieren oder verfließen. Kuhna arbeitet, wie er selbst sagt, die Leinwand „vollkommen ab“ – nicht aus einem erstickenden horror vacui, sondern, im Gegenteil, um Lebensraum für farbige Mikroorganismen zu schaffen. Einen wimmelnden Verband , der wie ein intaktes biologisches System ausbalanciert ist. Ästhetisch gesehen erscheint die Bildfläche als ein fluktuierendes Equilibrium, in das Strömen und Stauen, Stoßen und Stocken, Drängeln und Driften eingeflossen sind, zentrifugale Kraftströme brechen sich am Bildrand und laufen aus. Zentripetale Strömungen ziehen Partikel wie Magnetfelder in ihren Sog und kreisen um ihren Kern.
Das beginnt, groß angelegt, 1985 mit „Moossonne“ und vervielfacht das spiralende Kreisen 2003 im Bild “lapin agil“. Unser Auge gerät in wirbelnde Rotationen: ein kinetisches Pulsieren, das (anders als in der Op Art) keiner trägen Netzhaut, sondern verschlungenen Unterströmungen im Fleckendschungel folgt. Längeres Hinsehen soziationen, latenten Erregungen, Stimmungen, Vorstellungen, oft erotischer, oft landschaftlicher, oft musikalischer Art. Sie bestimmen das farbige Klima, anatomische Annäherungen, sinnliche Kurven, einen Hügel oder Rückenkontur. Man darf das hineinlesen. Zur Lesbarkeit eines Vexierbildes, zur Absicht eines Motives konkretisiert sich das jedochj nicht, aber es schwebt als kaum sichtbare Aura in jedem Bild. Auch die Titel erinnern, poetisch umschrieben, an den vage bleibenden Anlass.
Kuhnas Farbe! Sie baut Spannweiten auf, die überbrückt sein wollen. Hier liegt das eigentliche ästhetische movens für diese Malerei, die auf einer immensen Kenntnis und Erfahrung im Umgang mit Farben beruht. Die Farbe und nur die Farbe beherrscht seine Malerei. Um sie von Nebenaufgaben, Licht, Schatten, Linie fraizustellen, verzichtet er sogar auf Finessen und Subtilitäten der peinture.
Doch die Intensität direkt aus der Tube oder von der Palette ist nur das eine. Maßgeblich wird das Zusammenspiel: koloristische Synergieeffekte, bis hin zu konfettiartiger Buntheit oder juwelenhafter Brillanz. Kuhna ist ein Meister sorgsamer Nachbarschaften, Interaktionen und Resonanzen. Jede Farbe führt, wie Ursula Mildner schreibt, einen Diskurs mit sich selbst. Gewiss wendet Kuhna das nicht analytisch an , doch der Farbsystematiker Albers steht näher als der Augenschein glauben macht. Dabei ist keine Farbe geringer als die andere. „Schlechte“ Farben kennt Kuhna nicht. „Orange“ wertet im Zusammenklang einen beigen Grundton zu kostbarem Brokat auf. „Weekend“ vitalisiert ein feierlich müdes Rotblau durch kleinteilig eingesprengtes Gelb und bringt es zum Funkeln. Neuerdings erkundet Kuhna Möglichkeiten nahe beim Weiß. Wieviel Farbe erträgt Weiß, um dennoch nicht bunt zu erscheinen? Wieviel Weiß darf sein, damit die Farben nicht ausgelöscht werden? Ein ähnliches Problem trieb den Impressionisten Sisley um, als er im Schneekristall die Spektralfarben entdeckte. Bei Kuhna hat die Recherche allerdings keinen physikalischen Hintergrund. Er kennt die verschiedenen Farbtheorien und –lehren, setzt sie aber nicht um. Höchstens, dass er sie praktiziert. Er bleibt bei seiner Motivation des Assoziierens und Erinnerns. Ein Weiß dominiertes Bild heißt „Blanchisserie“, ein anderes, das er mit einem Decolleté verbindet, „Woge“.
Gleichzeitig setzen die Farben wechselnde Tempi in Gang. Orange, Karminrot, Violett changieren in kurzen Sprüngen und binden die Farbbewegung an kurze Takte. Komplementäres Rot und Grün erzeugen einen gemessenen, stabilen Akkord. Auch Thermik und Gravitation spielen herein. Vorherrschende Rotpartikel heizen auf. Sie beschweren warm absinkende Zonen. Blaupartikel kühlen ab und steigen hoch. Warme und kalte Farben strecken zusammen eine flache Raumbühne für die stereoskopisch flirrende Choreografie der Flecken ab. Ein sich Reiben, Entzünden, Pulsieren bis in die Ecken! Es wäre ein Thema für sich, die Wechselwirkung von Farbbewegung und Fleckenrhythmus, Farbklima und Farbraum zu beschreiben.
Etwas Eigenartiges geschieht. Obgleich diese jüngeren Bilder ohne alle Zeichen und Symbole sind, obgleich alles Psychografische in der Bildstruktur aufgeht, strahlt jede Leinwand ihre eigene Stimmung aus: grelle Aktion, florale Pracht, melancholische Dämmerung. Denn Kuhnas recherche des coleurs bringt gerade keine Farbexerzitien hervor. Sie ist erlebnisgesättigt, subjektiv, ja expressiv, wenn wir darunter darunter keine ausfahrende Gestik verstehen, sonder die leidenschaftliche, manische Aktivierung der Farbe auf ihrem kleinsten Nenner: dem Fleck. Gewiss wäre es viel zu flach, in dem Gewimmel auch Spermatreiben zu notieren, doch bedarf es keiner großen Freudschen Verrenkungen, um die heimliche Lust, die nicht nur eine Lust des Malens ist, zu spüren. Die offenkundige Sinnlichkeit älterer Bilder hat keineswegs abgedankt. Sie kehrt nur ins Plasma der malerischen Urzeugung aus dem farbigen Fleck zurück.

Manfred Schneckenburger

Kurt Sandweg

Kurt Sandweg

Retrospektive

7.10.– 27.11.2005

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… und plötzlich fehlte der Humus …Dr. Claudia Schaeferimage
cubus kunsthalle, duisburg
Auszug aus dem Katalogbuch zur AusstellungWas von langer Hand vorbereitet und einmal von der Politik beschlossen wurde, wenn damals auch bereits als Fehlentscheidung erkannt, wird trotzdem umgesetzt. Die Schließung des Fachbereichs Musik- und Kunsterziehung der ehemaligen Gerhard-Mercator-Universität Duisburg im Jahr 1993 ist dafür nicht nur Beispiel, sondern Beweis. Der Kampf der Professoren, unter Ihnen Kurt Sandweg, Lehrbeauftragen und Studenten konnte daran nichts ändern, allein den Abschuss etwas mildern, indem der Fachbereich infolge in ein Zentrum für Musik und Kunst überführt wurde. Am sogenannten ZMK konnte kein Abschluss mehr erworben werden, es stellte lediglich ein zusätzliches Angebot für die Studenten der Universität dar und auch das schlagende Argument, damit Kosten einzusparen, ging nicht auf. Die Kosten konnten durch das Zentrum nicht wesentlich gesenkt werden. Seit fünf Jahren existiert das ZMK auch nicht mehr doch durch die Zusammenlegung der Universitäten Duisburg und Essen gibt es wieder einen Fachbereich Kunstpädagogik, jedoch nicht mehr in Duisburg, sondern in Essen.
Als Kunsthalle, die eng mit Künstlern und Professoren des damaligen Fachbereichs zusammenarbeitete, spürte die cubus kunsthalle die Auswirkungen, die die Schließung für die Stadt und die in ihr lebenden Bürger hatte, aus nächster Nähe.
Damals befand sich die Kunsthalle nicht nur in örtlicher, sondern auch in geistiger Nähe zur Universität. Dies, weil ich die Kontakte aus meiner – wenn auch kurzen – Studentenzeit und späteren wissenschaftlichen Mitarbeiterschaft im Fachbereich Kunstpädagogik rekrutierte. Die Kunsthalle lebte damals von dem vitalen Austausch zwischen den Studenten und der Universität entwachsenen Künstlern gleichwohl den dort tätigen Professoren und Dozenten. Sie bot die Möglichkeit einer innerstädtischen Plattform, die den universitären Arm in das Stadtzentrum verlängerte und Begegnungen mit kunstinteressierten Bürgern ermöglichte. Ich erinnere mich noch gut an die zahlreichen Colloquien, die Prof. Hans Brög in Kooperation mit der Kunsthalle veranstaltete und die als Ergänzung zum Unistoff eine beliebte Veranstaltungsreihe für Studierende darstellte. Viele Studenten erprobten in der Kunsthalle erste Ausstellungspräsentationen und sammelten so Erfahrungen mit dem Ausstellungsbetrieb. Natürlich war dies nur ein begleitendes Nebenprodukt, denn erster Anspruch der Universität war – das sollte nicht vergessen werden – die Ausbildung von Lehrern, nicht von Künstlern. Kunstpädagogik hieß der Fachbereich, nicht Freie Kunst – und es handelte sich eben nicht um eine Kunstakademie. Der Geist jedoch, der durch den Fachbereich fegte, war teilweise beseelt von dem Wunsch und Willen freikünstlerisch tätig zu werden. Ja, und dieser Geist prägte auch damals unsere Stadt. Er formte letztendlich auch die Duisburger Künstlerschaft und Kunstszene. So verwundert es auch nicht, dass nicht wenige der damaligen Lehramtsanwärter den Weg in die freie Kunst gesucht und gefunden haben. Kurt Sandweg hat durch sein engagiertes Vermitteln künstlerischer Techniken in den Bereichen Bildhauerei, Plastik und Zeichnen intensiv dazu beigetragen und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass seine Seminare etwas von der akademischen Ausbildung, der sogenannten „Meisterklassen“ innehatten.
Aber es war auch insbesondere Kurt Sandweg, der sich mit seinen Studenten immer wieder Gedanken über die Urbanität unserer Stadt machte und Seminare zum Thema Stadtgestaltung anbot. Gerade dieses sich Einmischen, Anstöße geben, den kritischen Geist hoch haltend, fehlt heute. Die Schließung des Fachbereiches hinterließ eine Lücke, die bis heute nicht geschlossen werden konnte. Plötzlich fehlte der Humus, von dem sich Kreativität nun einmal nährt. Eine Einbuße, die auch die Kunsthalle zu spüren bekam. Lebendige Kunstszenen können nur in Kohabitation mit einer Kunstakademie, -Hochschule oder Universität mit entsprechenden Fachbereichen existieren. Da, wo diese Bildungsstätten funktionieren, da etablieren sich, da blühen kulturelle und künstlerische Landschaften. Künstler beeinflussen das Bild ihres Umfeldes, sie tragen zur Kreativität in einer Stadt bei, sie bilden wiederum die Bürger, indem sie Reize bieten und wenn dies alles vorhanden ist, dann lassen sich auch Galerien nieder. Es entstehen Ateliers, es kommen Kunstkritiker und man spricht von einer lebendigen Kunstszene. Dies alles, war ansatzweise vorhanden, brach aber mit der Schließung des Fachbereiches ab. Dies geschah in einer Zeit, in der die Stadt Duisburg nichts notwendiger benötigt hätte als Kreativität und neue Ideen. Denn die Stadt befand inmitten eines Strukturwandels, der längst überfällig war. Wer weiß, wie sich unsere Stadt entwickelt hätte, wenn man den Fachbereich erhalten und die dort wirkenden geistigen Kräfte aktiv in diesen Strukturwandel eingebunden hätte. Nicht zuletzt ist auch die cubus kunsthalle, wie sie sich heute darstellt, als eine der positiven Auswirkungen, eben dieser geistigen universitären Prägung zu werten. Als nicht städtische Einrichtung in dem Gebäude des ehemaligen Niederrheinischen Museums steht sie für das Konzept des privat-public-partnership, das durch engagierte kulturinteressierte Bürger mittlerweile über zehn Jahre getragen wird. Auch vor diesem Hintergrund freue ich mich besonders mit dieser Ausstellung und dem vorliegenden Katalogbuch einen Künstler und „Professor“ zu würdigen, der durch seinen unermüdlichen Einsatz zum geistigen Klima der Stadt und zur kritischen Auseinandersetzung ihrer Bürger beigetragen hat. Nachdem Kurt Sandweg seit 1976 immer wieder Teile seiner umfangreichen Sammlungen im ehemaligen Niederrheinischen Museum zeigte, ist es mir eine besondere Freude, mit dieser Ausstellung erstmals sein künstlerisches Werk in diesem Hause zu präsentieren.

postalisch

postalisch

8.4. – 30.4.2005

 
postalisch
 8.4. – 30.4.2005
cubus kunsthalle, duisburg
3. Station des Ausstellungsprojektes
Ein Postpaketprojekt mit Künstlern aus Schweiz / Deutschland / Österreich / Frankreich
Lukas Baumann, Rainer Bergmann RABE, Andrè Bless, Monika Bohr, Josef Bücheler, Katharina Bürgin, James Clay, Christian H. Corde
s, Jochen Duckwitz, Sandra Eades, Renate Eisenegger, Renè Eisenegger, Angela M. Flaig, Jutta Freudenberger, Manuela Froudarakis, Beate Garmer, Leon Hainzl Gumilar, Regina Hadraba, Hans-Uwe Hähn, Mane Hellenthal, Behruz Heschmat, Christine Hübscher, Nilolaus Hülsey, Antonio Idone, Heinz Jahn, Maya Karacsony, Alex Klein, Michael Kiefer, Evangelos Koukouwitakis, Wolfgang Klauke, Reinhard Klessinger, Katharina Krenkel, Hans-Georg Leeuw, Henriette Leinfellner, Andreas Lüthi, Wolfgang Mussgnug, Marlies Obier, Stefan Pietryga, Ramacher + Einfalt, Gertrud Riethmüller, Armin Rohr, Christoph Rust, Bernd R. Salfner, Volker Scheiblich, Walter Schernstein, Gue Schmidt, Inge Schmitt-Strassner, Andrè Schweers, Reinhard Sigle, Norbert Simon, Wolfgang Sohm, Erwin Stache, Manfred Vogel, Hans-Jürgen Vorsatz, Alexander Voss, Christian Wäckerlin, Ulrike WaltemathePakete sind wie Menschen. Die einen fest verschnürt und zugeklebt, die anderen locker umbunden und leicht zu öffnen. Dunkel ist es in den einen, hell ausgeschlagen mit Seidenpapier sind die anderen. Wie viel doch in so einem dunklen Paket zu finden ist. Wer hätte das gedacht. Und nichts in einem hellen. Oder aber im Gegenteil: viel Kunterbuntes in einem hellen, das dunkle öd und leer. Aber auch das ist ein Irrtum. In Wahrheit ist doch etwas drin. So leicht, so winzig, mit dem blossen Auge nicht zu erkennen. Mehr als das Kunterbunte, viel mehr. Aber was? Pakete sind Geheimnisse, Pakete sind wie Menschen.Die Teilnahme Duisburger Künstler an diesem interessanten Kunstprojekt bedingt eine Übernahme der gesamten Ausstellung in Stadt Duisburg. Die cubus kunsthalle stellt zu diesem Zweck ihre Räumlichkeiten vom 8.4. bis 30.4.2005 zur Verfügung. Nach der Durchführung in Duisburg wird die Ausstellung an das nächste Institut weitergeleitet werden: natürlich postalisch. Dies entspricht dem Grundkonzept des Projektes. Folgende Künstler aus Duisburg werden sich am Projekt beteiligen:
Michael Kiefer, Alexander Voß, Manfred Vogel, Ulrike Walthemathe, Walter Schernstein. Jutta Freudenberger, Andre Schweers, Hans-Jürgen Vorsatz,
Hans-Jörg Leeuw, Rainer Bergmann (Rabe) Jochen Duckwitz,

 Evangelos Koukouwitakis.
Das Projekt startete am 3. September 2004 in der Galerie Wengihof in Zürich mit großem Erfolg und war, danach im Forum Vebikus in Schaffhausen/Schweiz zu sehen. Von Duisburg aus geht die Ausstellung zum Saarländischen Künstlerhaus, Saarbrücken, dann zum Bildungshaus Hägenau, Kultusministerium Stuttgart und zum Abschluss zum Kulturverband Favoriten, nach Wien.
Diese Ausstellung wird in Kulturinstitutionen der Schweiz, Österreich und Deutschland gezeigt.

 Das Gesamtprojekt wird kuratiert von Renè Eisenegger, Kurator bei der Galerie Wengihof in Zürich und dem Forum Vebikus in Schaffhausen/Schweiz, die Duisburger Ausstellung kuratiert der Duisburger Künstler Evangelos Koukouwitakis

Ikarus

Ikarus

18.2. – 27.3. 2005

Ost-Westlicher Ikarus
Ein Mythos im geteilten Deutschland

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Eine Ausstellung des Winkelmann-Museums Stendal
in Stendal. Gotha. Duisburg. Wasserburg /Inn

Idee und Leitung: Max Kunze

Auswahl der Werke und Organisation: Jörg-Heiko Bruns, unter Mitwirkung von Steffanie-Gerrit Bruner, Birgit Köpke und Petra Plättner

Nahezu 100 Künstler aus Ost und West sind in der Ausstellung vertreten. Die Ausstellung versucht im historischen Rückblick die unterschiedlichsten Rezeptionsweisen des Mythos im geteilten Deutschland herausstellen, der hier wie dort als Metapher für die in den politischen Zuständen der Zeit liegenden Ideologien und Widersprüche eingesetzt wurde und der überdies auch als Hintergrundfolie der Visualisierung eigener Utopien oder kritischer Reflexion diente.

Auch jüngste, nach 1990 im vereinten Deutschland entstandene Arbeiten sind vertreten und belegen die neue, durchaus zeittypischen Aktualität des Mythos, für die etwa die Verarbeitung der Ereignisse des 11. September 2001 steht.

Vorwort zur Ausstellung

1980 und 1981 fanden in Magdeburg (Klubgalerie), Erfurt (Angermuseum) und Stendal (Winkelmann-Museum) Ausstellungen mit zeitgenössischen Werken der bildenden Kunst unter dem Titel “Ikarus“ statt. Die Brisanz des Mythos in einem eingemauerten Land resultierte aus den mehr oder weniger deutlichen politisch zu verstehenden Deutungsmöglichkeiten in den Werken der zahlreich beteiligten Künstler. In der alten Bundesrepublik reizte das Thema Ikarus ebenso die (noch) figurativ arbeitende Künstler und führte zu zahlreichen, z . T. anderen Bildfindungen, die den Ikarus-Mythos etwa zur kritischen Distanzierung gegenüber des damals gängigen Forschritts- und Technikoptimismus benutzen (Ausstellung „Ikarus- Mythos als Realismus-Studio 33 der NGBK; Westberlin). Andere Ausstellungen wie „Der Traum vom Fliegen“ in der Galerie Moderne in Bad Zwischenahn oder die von ganz anderen Ausgangspunkten inspirierten Ausstellungen „Fliegen ein Traum“ Ruhrfestspiele 1977, Kunsthalle Recklinghausen und „Die Kunst des Fliegens“ 1996 im Zeppelin Museum Friedrichshafen belegen, dass die in dem Mythos des Dädalus und Ikarus liegenden Problematisierungsmöglichkeiten- nach zweieinhalbtausendjähriger künstlerischer und weltliterarischer Tradition- noch immer Kontroversen auslösen können und so mit lebendig sind.

Die Ausstellung der Winkelmann-Gesellschaft DER OST_WESTLICHE IKARUS nimmt zum einen allgemein das Thema wieder auf und vereinigt Arbeiten von nahezu 100 Künstlern mit ca. 230 Arbeiten in einer Ausstellung, die in vier Museen Deutschlands gezeigt werden kann. Zum anderen versucht das Ausstellungsprojekt im historischen Rückblick die unterschiedlichen Rezeptionsweisen des Mythos im geteilten Deutschland herausarbeiten, also wie die neuen Sinnbilder des Künstlers, zur Konkretisierung von Widersprüchen, die in Ideologien und politischen Zustände der Zeit liegen, benutzt werden oder eigene Utopien entwickelt werden. Der Rückblick unterscheidet bewusst eine ältere und jüngere Generation und widmet den „Grenzgängern“ zwischen Ost und West eine besondere Aufmerksamkeit. In einem letzten Teil der Ausstellung werden neuen Sichtweisen zum Ikarusmythos gezeigt, Arbeiten einer jungen Generation, die in den neunziger Jahren und bis heute arbeitet. Auch hier zeigt sich, wie nahe oder aktuell der Mythos des abstürzenden Ikarus sein kann.

Ausgestellt werden Werke der Malerei, Graphik, Skulptur als traditionelle Medien, auch Beispiele anderer Medien (Lutz Dammbeck, Einmart, Animationsfilm von 1981), also Werke, die in beiden Teilen Deutschland von 1945-1990 und danach im wiedervereinigten Deutschland entstanden sind. Rückblicke auf andere künstlerische Medien wie das Buch, das Hörspiel, das Theater, der Film und die Musik werden im Begleitprogramm der Ausstellung an den verschiedenen Ausstellungsorten zur Sprache kommen.

Das die Winckelmanngesellschaft mit dem Winckelmann-Museum in Stendal seit einiger Zeit dieses Projekt angeregt und schließlich in die Tat umgesetzt hat, liegt nicht nur in den vielfältigen rezeptorischen Ausstellungs- und Forschungsprojekten Begründet, sondern auch in den Museumsbeständen. Seit den 70er Jahren entstand zielgerichtet eine Sammlung zu künstlerischen Arbeiten der Moderne, die Formen der Antikrezeption in der DDR widerspiegeln. Diese Bestände zu aktivieren, zu ergänzen und durch Leihgaben inhaltlich und geographisch für diese neue Ausstellungsprojekt zu erweitern, war ein Ziel dieses Unternehmens.

Winfreid Gaul

Winfreid Gaul

16.1. – 22.2.2004

Foto © copyrigt by Heinz Vontim
Vorwort
Winfred Gaul ist nicht Maler geworden, um sich zu langweilen, wie er bekennt, und so wurde sein Künstlerleben ein unaufhörliches Suchen nach neuen Möglichkeiten auf dem großen Feld der Malerei, ein ständiges Experimentieren und Ausprobieren neuer Materialien und Techniken. Gerade von den spezifischen Eigenschaften unterschiedlicher Materialien ging offensichtlich für ihn eine große Faszination aus, und sie gaben die Gründe für ständig neue Arbeitsprozesse.
Ein Blick in die Schubladen in seinem Atelier in Düsseldorf-Kaiserswerth bietet viel Überraschendes, Unbekanntes, das ans Licht zu holen sich lohnt, ist es doch ein Blick in die Werkstatt eines Künstlers, der zeitlebens über das Malen selbst reflektiert hat. In zahlreichen Artikeln, Statements, Aufsätzen ist dies geschehen, wie sein Buch Picasso und die Beatles, 1987 erschienen, beweist. Und mehr noch – und das ist bei einem Künstler nur zu verständlich – geschah dies in stillen Stunden in seinem Atelier. Alles konnte ihn anregen: Weggelegte Schnipsel bemalten Papieres, Verworfenes und Unfertiges wurden durch experimentelles Tun erneut hinterfragt, ob nicht doch etwas Brauchbares in ihnen stecken könnte. Winfred Gaul war als Künstler immer auf der Suche, und es besteht kein Zweifel: Er fand auch stets etwas Brauchbares, überraschend Neues, auch wenn es zunächst zur Seite gelegt wurde.
Winfred Gaul befand sich in einem ständigen Diskurs über Malerei, theoretisch und mehr noch praktisch, und dies seit seinen künstlerischen Anfängen in den fünfziger Jahren, als er nach erfolgreichem Studium bei Willi Baumeister in Stuttgart zur ersten künstlerischen Avantgarde in Deutschland gehörte. Er hat das so genannte Informel, das das entscheidend Neue in der Kunst in Deutschland nach 1945 war, mitgeprägt. Er hat diesen Stil für sich als beendet erklärt, als dieser sich geradezu inflationär ausgebreitet hatte, um sich wieder etwas Anderem zuzuwenden. Stets ging es ihm darum, nicht bei dem Erreichten stehenzubleiben, sondern für sich und die Malerei Neuland zu erobern.
Von diesen Bemühungen zeugen die Fragmente, Skizzen, Experimente, von denen eine Auswahl hier zum ersten Mal ans Licht gebracht wird. Und im Besonderen zeigen diese kleinen „Arbeiten“, dass Aussagen über die künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten in dem Medium der Kunst selbst besonders sinnvoll ist.
Siegfried Gnichwitz, Oktober 2003 

 

Winfreid Gaul

1928 geboren in Düsseldorf
1931-1944 Kindheit und Jugend in Ostpreußen
1948 Abitur
1949/50 Studium der Kunstgeschichte und Germanistik an der Universität Köln
1950-53 Studium an der Kunstakademie Stuttgart bei Baumeister und Henninger
1955 erste informelle Arbeiten in der Ausstellung junge Maler stellen aus im Württemb. Kunstverein, Stuttgart
1959 Teilnahme mit informellen Bildern an der documenta II, Kassel, und mit informellen Bildern an der Wanderausstellung European Art To-Day in Museen der USA und Kanada
1962 Einzelausstellung in der Robert Elkon gallery in New York und viermonatiger Aufenthalt in den USA
1964 Villa-Romana-Preis, Florenz
1966 Einzelausstellungen Kunsthalle Mannheim und Karl Ernst Osthaus-Museum, Hagen
1967 Einzelausstellung im Palais der Beaux-Arts, Brüssel
1973/74 Retrospektive (Westf. Landesmuseum und Westf. Kunstverein, Münster, Kunstsammlung Ludwigshafen, Museum Ulm, Kunsthalle Bielefeld)
1975 Einzelausstellung im Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg
1977 Teilnahme an der documenta 6, Kassel
1984 Titularprofessur des Landes Nordrhein-Westfalen
1987 Publikation des Buches Picasso und die Beatles
1988/99 Wanderausstellung Arbeiten auf Papier 1953-1987 (Leverkusen, Lüdenscheid, Gelsenkirchen, Oldenburg, Kiel, Ulm)
1991/93 die ersten beiden Bände des Werkverzeichnisses der Jahre 1949-1953 erscheinen
1994 Lovis-Corinth-Preis
1997 Märkisches Museum, Witten. Das Frühwerk
1998 Von der Heydt-Museum, Wuppertal Ohne rechten Winkel
1998 Ehemalige Reichsabtei Kornelimünster Das große Format
1999 Im Hirmer Verlag, München, erscheint die Monographie von Lothar Romain
Winfred Gaul verstarb im Dezember 2003.
Arbeiten in öffentlichen Sammlungen im In- und Ausland.

HERMANN KURZ

Hermann Kurz

26.10. bis 11.11.2001

Die Linie beherrscht Zeichnung und Gemälde von Hermann Kurz. Figurenpaare und einander zugeneigte Frauenakte haben häufig eine gemeinsame, sie umschließende Kontur. Daraus kann man auf den Entstehungsprozess schließen, der von einer einzigen, impulsiv gezogen und gebogenen Linie herrührt. Kurz erfindet mit dieser zusammenhängenden Linie im gleitenden Strom der Bewegung, ohne zu stocken oder abzusetzen, eine klare und zugleich formale komplexe Figuration in einem filigranen Netz ornamentaler Gebilde. Hermann Kurz thematisiert dabei immer Zeit und Raum, und zwar in der Bewegung. Die anthropomorphe Figur, der Stuhl, der Tisch, das Sofa alles Alltagsgegensätzlich, was wir erkennen und zum Anlass nehmen, das Bild zu betrachten, sind lediglich Statisten, die er flächig in den Bildraum einfügt. Diese gilt insbesondere für seine Menschendarstellung, die er in nicht definierbare Räumlichkeiten setzt. Als konstruktive Elemente führt Hermann Kurz Farbflächen in den Hintergrund ein. Das Ruhen der Farbflächen macht die gestische Bewegung der Person erst sichtbar. Schriftfragmente verfremdet er zu Elementen, zu Strukturen Kompositionen. Die Bewegung von Figuren oder Figurenpuppen sind expressiv und mit schnellem Pinselstrich ausgeführt.
Hermann Kurz begreift die Welt als einen Prozess. Nicht Die Welt ist, sondern die Welt geschieht. Sie ist in ständiger Bewegung, und es gibt in Wahrheit nichts, was sich nicht bewegt. Alle Ruhe- und Haltepunkte, die uns Hermann Kurz augenscheinlich in seinen Zeichnungen als eingeführte Gegenstände gibt, alle Strukturen, die wir in seinen Zeichnungen erkennen mögen sind in Wirklichkeit nur Durchgasstadien. Diese gilt in besonderem Maße auch für seine aus Fundstücken montierten Objekte. Die Fundstücke haben jeweils eine eigene Geschichte. Eine geheimnisvolle, verborgende Geschichte, die sie uns nicht erzählen können. Wie z.B. der Kirchstab, den Hermann Kurz am Strand von Bergen op Zoom gefunden hat. Vergessen, verloren wird er gesichert und erhält nun in dem Materialbild „Bergen op Zoom“ eine neue Geschichte. Bei dieser Form des künstlerischen Umgangs mit Fundstücken findet eine fantastische Verwandlung von Formen und Materialien, von Gegenständen als Verfremdung des banalen Alltags statt. Auch handelt es sich hier nicht zuletzt um die Anspielung auf eine romantische Überhöhung, die die verwandelte Wirklichkeit in der Kunstform erfährt. Arbeisschwerpunkt
Zeichnung, Malerei, ObjekteKontakt
Künstlerhaus Goldstr. 15
47051 Duisburg
Telefon 0203 299266
oder 0203 23045
BiographieHermann Kurz ist 1941 in Siegen geboren, lebt und arbeitet seit 1980 im Atelierhaus der Stadt Duisburg an der Goldstrasse.
Von 1962-65 studiert er an der Fachhochschule für Gestaltung in Wuppertal bei Prof. Ernst Oberhoff und Prof. Werner Schriefs, von 1965-70 an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf bei Prof. Josef Faßbender und Prof. Dr. Rolf Sackheim. 1969-70 wird er Meisterschüler und stellt seit 1970 im In- und Ausland aus. Arbeiten befinden sich in öffentlichen Ausstellungen. Seit1980 Atelier im Künstlerhaus der Stadt Duisburg, Goldstrasse 15 1982 Kunst am Bau (Stadt Duisburg) 1986 Künstleraustausch mit Künstlern der UdSSR 2001 Retrospektive (Auswahl 1958 – 2001), cubus kunsthalle, Duisburg
Einzelausstellungen (Auswahl)
Essener Forum bildener Künstler
Künstlerverein Malkasten Düsseldorf
Künstlerhaus Goldstrasse Duisburg
Stadtwerke Duisburg, Dresdner Bank Duisburg
Gruppenausstellungen (Auswahl)
Kunstmuseum Alte Post, Mülheim an der Ruhr
Städtische Galerie, Haus Peschken, Moers
Schloss Lembeck, Mariental
Wilhelm-Lembruck Museum, Duisburg
Portsmouth City Museum Art Gallery
Pulchri Studio in Den Haag
Maison d`Art Alsacienne, Strassburg
Grosse Düsseldorfer Kunstausstellung
Tours, Frankreich
Galerie – eine kleine AuswahlKlicken Sie zur Vergrösserung bitte auf die Abbildungen
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Siggi Loch – LOVE OF MY LIVE

Siggi Loch

LOVE OF MY LIFE

5. Juli bis 29. Juli 2007

Eintrag zu Siggi Loch bei Wikipedia

LOVE OF MY LIFE

Seine große Liebe gehört dem Jazz: Siggi Loch, ehemaliger Präsident der WEA Europa und heute ACT Labelchef, ist Wegbereiter vieler renommierter Stars. Und diesen oft näher als professionelle Fotografen. Sei den 50er Jahren hat Siggi Loch die „Magic Moments“ des Jazz, Blues und Rock auch im Bild festgehalten. Der Bildband „Love of my Life“ zeigt seine faszinierenden Aufnahmen von Louis Armstrong, Ray Charles, Klaus Doldinger, Johnny Griffin, Dexter Gordon, Cannonball Adderley, Little Richard, Nils Landgren und viele mehr. Diese Fotos werden vom 5. Juli bis 29. Juli in der Cubus-Kunsthalle, Friedrich-Wilhelm-Straße 64 in Duisburg, zu besichtigen sein. Die Ausstellungseröffnung ist am 5. Juli um 19.00 Uhr. Eine Einführung in die Ausstellung gibt ACT-Labelchef Siggi Loch.

Öffnungszeiten:

Donnerstag, 5. Juli bis Sonntag, 29. Juli, Mi – So 14:00 bis 18:00 Uhr, Eintritt frei


Ray Charles and Lady 1963 by Siegfried Loch

Little Richard and Sounds Incorporated 1963 by Siegfried Loch

Klaus Doldinger 1962 Duesseldorf by Siegfried Loch

Spencer Davis 1965 Berlin by Siegfried Loch